EU Wachstumspakt – Gefängnisneubauten für Europa

Eur-Opa: Sehr intensiv haben sich die EU-Kommissionäre Gedanken dazu gemacht, wie man den angeschlagenen Staaten der Südschiene effektiv unter die Arme greifen kann. Dies aufgrund der dringlichen Erkenntnis, dass „Totsparen“ zwar sinnvoll ist, aber auch vielfältige Nebenwirkungen mit sich bringt, die es ins positive zu verkehren gilt. Insbesondere weil das Wirtschaftswachstum in diesen Staaten bisher beachtlich bröckelt, damit auch die Steuereinnahmen leiden, soziale Verwerfungen und Not für die Menschen die zwangsläufige Folge sein werden. Im Ergebnis können folglich nur Investitionen heilen, die der Wirtschaft wie auch den Menschen helfen, darüber hinaus natürlich innovativ und zukunftsweisend sind, so die einhellige Auffassung der Fachleute.

Zur Linderung des Problems kommt ein geheimes Memorandum nun zu dem Ergebnis, dass der intensive Neubau von Gefängnissen eine Vielzahl der angesprochenen Probleme beheben kann, sofern man eine ausreichende Anzahl davon errichtet, mithin das Investitionsvolumen beachtliche Dimensionen erreicht. Hiermit soll in den PIIGS Staaten begonnen werden und das Erfolgsmodell bei anhaltender Krise auf Rest-Europa ausgedehnt werden. Offenbar scheint die Finanzierung dieser Maßnahme keinerlei Probleme zu bereiten, Banken und Investoren sollen angeblich bereits Schlange stehen. Wir haben uns die Argumente für dieses Wachstums- und Sicherungsprogramm einmal ein wenig näher angesehen:

Investitionsschub und Bauboom

Es ist eine alte Binsenweisheit, seit dem legendären Autobahnbau in Deutschland, dass Investitionen Lohn & Brot schaffen, etwas woran es seit der Finanzkrise fast überall mangelt. Die These ist unstreitig richtig und deshalb zu begrüßen. „Sozial ist was Arbeit schafft“, so unsere Bundeskanzlerin und derartige Projekte machen da keine Ausnahme. Bereits mit privaten Betreibermodellen im Hinterkopf, könnte sich hier eine schier unerschöpfliche Umsatz- und Steuerquelle auftun, ein weiterer Pluspunkt für die angeschlagenen Staaten. Auch der Personalbedarf dürfte enorm sein und deshalb Langzeitarbeitsplätze schaffen.

Wie im Bild exemplarisch zu sehen, nicht nur „Beton ist schön“, auch die Not kann noch architektonisch anspruchsvoll umgesetzt werden, eine Traumlandschaft, und für die vielen Menschen besser als unter jeder Brücke.

Mehr Gerechtigkeit und soziale Aspekte

Da Gefängnisse anerkanntermaßen auch auch als Symbol für Gerechtigkeit in der Bevölkerung akzeptiert sind, können wir politisch gesehen durch eine vermehrte Errichtung solcher Anstalten die bisher bemerkbare zunehmende Ungerechtigkeit in der Gesellschaft weitestgehend kompensieren. Dieser Faktor darf nicht unterschätzt werden, hat doch der normale Bürger noch ein sehr ausgeprägtes Verständnis für Recht und Gesetz, ganz im Gegensatz zu den wenigen Menschen die bereits gezwungen sind Recht und Gesetz für Geld kaufen zu müssen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es unabdingbar dem Gesetz stets zur Geltung zu verhelfen, weil sonst nachweislich Chaos und Tumult die Gesellschaft wie auch die freiheitliche Grundordnung gefährden können.

Eigenständiger und boomender Wirtschaftszweig

Es ist davon auszugehen, dass ab einem gewissen Grad der Verelendung Veredelung einer Gesellschaft diese Idee zu einem Selbstläufer werden muss. Wir erinnern hier auch gerne an einen inzwischen abgelebten Vorzeigestaat, das ehemalige „demokratischere Deutschland“, dort konnten in diesem Sicherheitsbereich, ganz zum Wohle des Volkes, enorme menschliche Kapazitäten gebunden werden, nur konnte man es dort aus Geldmangel nicht zur Perfektion bringen. Dies ist in unserem Staat heute bedeutend anders, die Mittel dafür sind unbegrenzt vorhanden. Weiterhin gibt es für die Funktionsfähigkeit dieses Modells eine recht banale Erklärung. Derlei Anstalten können ihre Beherbergungsgäste nicht einfach so aus sozialen oder ethischen Motiven aufnehmen, auch nicht wenn diese Klientel noch so große Not leidet oder gar um Einlass bettelt. Zwingende Voraussetzung dafür ist, dass die Probanden kriminell sein müssen, sonst bleibt ihnen der Zutritt zu diesen Schutz- und Versorgungseinrichtungen verwehrt, damit keine kostenfreie Unterbringung und Verpflegung. Durch den zu unterstellenden Anstieg der zwingend erforderlichen Kriminalität wiederum kann man den Polizei- und Justizapparat weiter intensiv ausbauen und verfeinern. Auch dies schafft zusätzliche Arbeitsplätze, damit noch mehr Lohn & Brot und ist wie bereits erwähnt: „sozial“.

Am Ende einer solchen Entwicklung steht planmäßig ein sich selbst verstärkender Wirtschaftsmechanismus, also eine Art Perpetuum Mobile, das Volk ist allseits gut beraten und kann sich zeitnah sinnvoll betätigen, muss darüber hinaus seinen Volksvertretern nicht mehr so sehr auf die Ketten gehen, die derzeit größere Aufgaben, wie beispielsweise die Rettung der Welt, zu schultern haben. Letztlich ist also das Volk mit sich selbst, dank solcher Maßnahmen „vollbeschäftigt“ und kann Umsatz machen, ist zu Best behütet und restlos bedient gut versorgt … so der geniale Plan. Flankierend wird man noch einige Gesetze erlassen, die die Schwelle für den Zutritt zu diesen Einrichtungen herabsetzen.

Ab diesem Stadium werden sich auch wieder die Konzerne mit Begeisterung einklinken, die innerhalb der Gefängnisse gebundenen Arbeitskräfte für eine auskömmliche Überlassungspauschale von knapp einem Euro die Stunde, zur Optimierung ihrer Ertragslage, auch den indischen oder chinesischen Arbeitskräften vorziehen. Damit kommen endlich wieder die heimischen Fachkräfte zum Zuge, die sich die Wirtschaft hier derzeit nicht mehr leisten kann, weil die Kosten dafür einfach nicht tragbar sind. Wir reden also alles in allem von einer mächtigen Win-Win-Situation.

Internationaler Vergleich

Europa hinkt an dieser Stelle einmal mehr gnadenlos hinterher. In den USA wurden bereits vor Jahr und Tag rund 800 „FEMA Camps“ errichtet … [Tante Google weiß mehr dazu], die sich dem Grunde nach in der hier beschrieben Weise verwenden lassen, formal wurden diese erbaut um Flüchtlinge aus anderen Ländern zu beherbergen. Wenn die allerdings ausbleiben, muss man solche Einrichtungen natürlich auch zugunsten der eigenen Bevölkerung nutzen dürfen.

Für viele Leute mag sich jetzt ein unschöner Vergleich zum Dritten Reich aufdrängen, der ist aber völlig angebracht. Auch wenn uns die Bezeichnung „KZ“ dafür später im deutschsprachigen Raum wieder begegnen möchte, ist ein Vergleich damit nicht statthaft, denn künftig steht dies für „Kompetenz Zentrum“ und wie die PIIGS diese Einrichtungen in ihren Ländern später nennen, kann uns auch (scheiß)egal sein.

Mögliche Alternativen

Selbstverständlich muss man bei allen Maßnahmen stets auch nach Alternativen fahnden, so auch in diesem Fall. Die zugrunde liegende Studie betrachtete demzufolge das Ende der aktuell laufenden Umverteilung und kommt zu dem Ergebnis, dass final rund 90 bis 95 Prozent der Bevölkerung in den Genuss solcher sozialstaatlichen Einrichtungen kommen müssen (Tendenz noch steigend) und aufgrund der abzusehenden Not auch eine entsprechende Kriminalitätsrate als gegeben angenommen werden darf. Sei es für Mundraub, Plünderung von Feldern und Lebensmittellagern oder auch nur für das Aufbegehren gegen die gerechte Herrschaft. Diese keine Studie weist unzweifelhaft den anstehenden Bedarf nach.

Die Gegenrechnung, beispielsweise ähnlich hoch gesicherte Reservate für die verbleibenden 5 Prozent der unbescholtenen Bevölkerung (weiter schwindend) zu schaffen, sprich einzuzäunen und dadurch von den 95 Prozent der Kriminellen zu separieren, scheiterten an deren Einwendungen. Der Minderheitenschutz ist zu gewährleisten, hieß es. Sie erklärten sich aber sofort bereit derlei Einrichtungen umfänglich mit bezahlen und unterhalten zu wollen, dies im Rahmen ihrer sozialen Verantwortung gegenüber dem Staat, siehe die bereits erwähnten Betreibermodelle für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Damit dürfte das Thema möglicher Alternativen erschöpfend abgehandelt sein. Dieses Konjunkturbelebungsprogramm wird alsbald das Signum „Alternativlos“ erhalten.

Fazit

Auch wenn dieses Modell derzeit noch in geheimen Runden entwickelt wird, so ist das Konzept überzeugend, verspricht Umsatz und Wachstum, Vollbeschäftigung und sozialen Frieden. Gerade letzteres dürfte die größte Herausforderung in den kommenden Jahren sein. Mit derlei Konzepten ist man bis an die Zähne für die Zukunft gerüstet und die Regierungen werden im Zweifel nicht gezwungen sein, sich jeweils ein neues Volk zu erwählen – wie Bertolt Brecht dies in düsteren Vorahnungen einmal andeutete – wenn es das aktuelle Volk, wie hier beschrieben, zuverlässig an sich binden kann. Somit sollte der innere Frieden, die Demokratie, die unbegrenzte Freiheit und vor allem der überlebenswichtige freie Markt gerettet werden können. Nach gängiger Lehrmeinung und Münchhausens Theorie können sich die Menschen jeweils an den eigenen Haaren gekonnt aus dem Sumpf ziehen.

Bildnachweis: Wikimedia Commons | Autor: Christian1965 | Gemeinfrei

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Kommentare

EU Wachstumspakt – Gefängnisneubauten für Europa — 2 Kommentare

  1. Guter, braver Nikolaus, bringt den kleinen Kindern was, die Grossen lässt er laufem, die können sich was kaufen:

    **** das war leider ein Link mit Virus dahinter, deshalb ist der Link jetzt weg **** WiKa

    Hier ist dieses neue Volk zu besichtigen:
    Und hier wirds etwas kompliziert, um zum Kindergarten zu kommen:

    Also – die Erste Seite öffnen, vergrössern und dann –
    unten links: “Fussballfieber im Kindergarten” lesen.

    einfach nur entzückend, die lieben…………..

    http://www1.wi-paper.de/book/read/id/00007FFBDF1B7873

  2. … da die westliche Welt eh keine Tilgung und Zinseszins zurückzahen kann, und wir auch nicht auf Kosten der Mittel bzw. “Unterschicht” (siehe Amerika) dieses System halten können, müssen wir einen “Schuldenreset” bzw. Neubeginn des Kapitalsystems durchführen. Das wird auf jeden Fall so kommen müssen.

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