BRDigung: Eigentlich soll es eine ganz banale Veranstaltung und Abstimmung im Bundestag werden, wenig spektakulär und bestens noch irgendwie im Fußballgetümmel der EM untergehen. Aber der Untergang der hier beschlossen wird könnte auch etwas historisches haben. Es wird über den ESM abgestimmt und damit indirekt schon einmal über die Abschaffung der ohnehin nicht vorhandenen deutschen Souveränität. Dies hatte ja Schäuble schon vor geraumer Zeit bestätigt, dass Deutschland seit dem 8. Mai 1945 nie mehr souverän war. Hier noch einmal die Fundstelle auf YouTube dazu, wo er bereitwillig diese Auskunft gab. Ergo ist dies jetzt nur noch eine weitere kosmetische Proklamation für diejenigen Bürger die es ohnehin nicht wussten.

Wer am Ende die neuen Gebieter und Besatzer in Deutschland sein werden, das weiß noch niemand so genau. Sie sollen aber viel besser und humaner sein als die Vorherigen, sagt man. Nur soviel weiß man, dass ein Gouverneursrat über den ESM hier maßgeblich seine Finger ins Budget stecken wird. Uns also ganz zentraleuropäisch in die Taschen langt und uns so über den Geldbeutel regieren wird. Offensichtlich hat sich diese Form der Regentschaft besser bewährt als eine nichtsnutzige parlamentarische Demokratie, die man selbstverständlich als Placebo noch nebenherlaufen lässt.

Das Parlament braucht hernach dann auch nichts mehr absegnen, hat sich ja hinsichtlich des Budgetrechts damit gerade selber abgeschafft, aber die Abgeordneten mögen schon gerne ihre Pöstchen behalten, sind doch die Diäten ganz komod und im Gouverneursrat braucht man diese Pfeifen halt nicht. Ach ja, sie müssen ja noch über die Rest-Mittelverwendung entscheiden, also über jene Gelder, die der Gouverneursrat nicht aus diesem Budget vorab anfordert. Damit bleibt dann auch die Existenzberechtigung der Abgeordneten noch galant erhalten.

Gut, das ist natürlich erst die halbe Miete. Durch diesen Beschluss und die sogenannte Vergemeinschaftung der Schulden in Europa kommt es zu einem weiteren Effekt, wie in der Überschrift beschrieben. Relativ bald werden sich die Rate-Agenturen zu Worte melden und feststellen, dass ein Deutschland, welches für den Rest der schwachmatischen Euro-Familie sein Sparbuch in den Ring wirft, natürlich keine solide Bonität haben kann. Wer so mit seinem Geld umgeht, dem ist nicht zu trauen. In der Folge muss man dann Deutschland ein wenig nach unten raten. Wenn wir Glück haben, dann sind wir hernach noch „AA“. Ok, waren die Deutschen eigentlich schon immer, aber jetzt wird man uns dazu offiziell eine Lage Klopapier reichen. Zur Imagepflege und für das „neue Selbstbewusstsein“ der Deutschen, wird das Ministerium für Propaganda und Volksbildung, alsbald nach dem Beschluss, mit der rechts im Bild gezeigten Kampagne beginnen (nach dem Vorbild einer bereits bekannten Aktion), um auch das AA+ den Menschen korrekt zu vermitteln und zu zeigen, das „AA+“ nicht schlechtes sein muss. Genau genommen kennt der Deutsche nach 1945 gar kein anderes Feeling und aus vielerlei Gründen bemüht man sich seitens der Nachbarschaft und auch im eigenen Hause, dieses „neue & alte“ Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten.

Mit dem geänderten Status muss Deutschland dann für dieselben Kredite wie vorher einige Prozent-Punkte mehr an die Banken abdrücken, wegen des gestiegenen Risikos. Dieses kleine Zubrot für die Banken ist dann der Preis für die Sozialstaatlichkeit die der Staat bisher den Banken und anderen Ländern hat angedeihen lassen. Bei einem mittleren Anstieg der Zinsen für deutsche Anleihen um 2,5 Prozent-Punkte, macht dies für die Banken – bei Staatsschulden in Höhe von rund 2 Billionen Euro – nur lächerliche 50 Milliarden pro Jahr zusätzlich aus, ohne auch nur einen weiteren Euro an Deutschland verliehen zu haben. Oder anders gesagt, bei einer möglichen Zinsverschlechterung um 2,5 Prozent-Punkte bedeutet dies, dass bei 83 Mio. Deutschen, pro Kopf ein Banken-Soli-Beitrag von 602,41 € pro Jahr für diesen Beschluss des Bundestages am 29. Juni zu entrichten sein könnte. Den Rest möge sich jeder selbst denken. Es ist dann der Preis für die Solidarität mit den Banken, nicht mit den Menschen in Europa!

Die Banker sprechen hier gerne von ausgleichender Gerechtigkeit. Und der Bürger darf sich darüber freuen, dass er vermehrt für Zinslasten arbeiten muss, die sich die Banken einstreichen und unsere Regierung verkauft es uns als soziale Heldentat zur Rettung Europas, des Euros und der bedrohten Menschen in den Nachbarländern, bei denen definitiv von den erwähnten Zusatzaufwendungen nie auch nur ein einziger Cent ankommen wird. Für die Menschen in Europa könnten wir vermutlich mehr tun, wenn wir das „AAA“ erhalten, die 50 Milliarden direkt in die Hand nehmen und gleich Suppenküchen quer über Europa davon bauen.

Aber die Banken werden dem Michel zum Ausgleich in jedem Falle ein gutes Gewissen bescheinigen können und sich für das soziale Engagement gegenüber den Geldhäusern und Pleite-Staaten bedanken, sichert es doch wenigstens ihnen eine üppige Existenz. Und mit etwas Glück, wenn mal wieder ein fettes Jahr für die Banken droht, werden sie sicherlich neben den Banker-Boni, die sie kassieren, auch mal eine Handvoll Euros für eine Suppenküche spendieren, damit die mittellose Kundschaft vor den heiligen Hallen der Banken ausnahmsweise mal etwas warmes zu Essen bekommen kann. Wir haben bereits den ultimativen Sozial- und Wohlfahrtsstaat für Banken und darüber müssen sich alle Menschen in Europa freuen und auch gewillt sein noch größere Opfer in Kauf zu nehmen, fest im Glauben an den Markt und das Geld, denn angeblich soll nichts erlösender sein als dem Mammon und seinen Vertretern auf Erden aufrechte Freude zu bereiten … Amen.

Bundestag will am 29. Juni deutsches AAA Rating in Zahlung geben
11 Stimmen, 5.00 durchschnittliche Bewertung (99% Ergebnis)