Reichskristallkugel zu Berlin: Am Mittwochmorgen kam nur eine kurze und knappe Ansage der Bundeskanzlerin per Telefon an ihre Diensthanseln im Kanzleramt, schnellstens alles vorzubereiten den Schuldigen für das NRW Wahldebakel zu feuern. Die Bundeskanzlerin höchstselbst noch mit Außenterminen vollauf beschäftigt, konnte die Sache nicht selbst in die Hand nehmen. Jetzt war natürlich allen Amtierenden in der Amtsstube klar, dass die besagte Wahl von Merkel versemmelt worden war, sollte es doch eine Richtungswahl zu ihrer Euro-Politik in Deutschland werden, also machte man weisungsgemäß alles klar für die Entlassung von Angela Merkel. Jedes Kind weiß doch, dass Murksels Politik langsam aber sicher die gesamte Republik uriniert. Wer sonst hätte dafür entlassen werden sollen, hatte doch die Galionsfigur des dortigen Wahlkampfs, der Röttgen bereits seinen CDU Vorsitz in NRW geschmissen, da gab es also nichts mehr zu entlassen. Alles war bereits auf dem Weg zur eiligst einberufenen Pressekonferenz zur Präsentation des Sündenbocks, da kam dann auch die Bundeskanzlerin für diese Verkündigung auf den letzten Drücker herbeigehastet und staunte nicht schlecht über das was sie nun zu verkünden hatte.

In einem letzten Moment der Machtgeilheit und mit scharfem Kalkül, riss sie nun auf den letzten Dreh in gewohnter Lässigkeit das Ruder herum, nachdem sie diese elende Feststellung in ihrem Redeskript entdecken musste. Einen Fehler wie ihn seinerzeit Robespierre in Frankreich machte, als er sein eigenes Todesurteil unterzeichnete, so etwas sollte doch ihr nicht passieren. Die Pressemeute lauerte sensationsgeil auf eine Köpfung, jetzt musste ein Opfer dargebracht werden, kein Weg zurück. Noch ein kurzes innerliches „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der/die Dümmste im ganzen Land“? Diese Frage hatte der SPIEGEL aber bereits weit vor ihrer angsterfüllten Frage schon zutreffend und „Schwatz“ auf „Unschuldsweiß“ beantwortet. Nun sah sie in großen Lettern, wie auf einem überdimensionierten Text-Laufband durch ihre nagelneue Polit-Datenbrille: „Umweltminister Röttgen“ vor ihren vor Wut fast blinden Augen prangen.

Damit war der Keks gegessen, die Situation gerettet und der kleine Fauxpas in ihrer Amtsstube musste keine dramatischeren Folgen haben, außer ein paar Beförderungen für die klag- und fraglose Befolgung von Dienstanweisungen. Der Rest um den Newcomer und Aufstreber Norbert Röttgen ist seit gestern Geschichte, er wird jetzt in die Guttenberg’sche Galerie ihrer Verflossenen überführt und Bundesmutti Merkel werkelt weiter im Amt, ohne dass irgendwer diesen Patzer wirklich bemerken sollte, mal wieder knapp dran vorbeigeschrammt, Röttgens Opferrolle ist historisch nur insoweit nicht ganz perfekt, als dass er kein Bauer war, aber gut, es war ja auch kein Schachspiel.

Natürlich mutet die Geschichte an wie ein böses Märchen, eben jenes wo der König alle Jahre einen Wettbewerb im Lande durchführen lässt, um die schlausten Köpfe des Landes zu ermitteln. Die 10 Besten werden dann regelmäßig dem Scharfrichter überstellt und genau einen Kopf kürzer gemacht. Damit ist sichergestellt dass dem Machthaber im eigenen Reich keine Konkurrenz erwächst, was bezogen auf die heutige Märchenstunde eindeutig belegt, dass auch die Bundeskanzlerin nicht nur mit allen Wassern gewaschen ist sondern auch in Sachen neuzeitlicher Märchen voll fit ist. Oder anders gesagt, sie kann sich, dem Münchhausen gleich, stets an den eigenen schütteren Haaren immer wieder selbst aus dem Sumpf ziehen … eine tolle Hexe.
(Foto: Armin Kübelbeck • CC-BY 3.0 unportet • Bearbeitung: qpress)

Rauswurf Merkels durch Kanzlerin knapp vereitelt
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