Grassnojarsk: Die neuerliche Reaktion der SPD ist ein bedauerlicher Beleg für die sibirischen Verhältnisse in den Köpfen der Genossen, seit Jahrzehnten alles verfroren. Bislang war Günter Grass stets ein willkommener Wahlkampfhelfer für diese Partei und hat die „rote Sache“ nach Kräften befördert. Ein Aushängeschild und Schlachtross erster Güte wenn es ums „Vorwärts“ ging. Jetzt schlägt man ihm, ob seiner paar Zeilen, unvermittelt mitten ins Gesicht und möchte sich mit ihm nicht mehr blicken lassen. Der Spiegel titelt dazu: SPD-Politiker lehnen Wahlkampfhilfe von Grass ab! Statt eine sachliche, gegebenenfalls auch literarische Auseinandersetzung mit dem Delinquenten zu suchen, kam auch hier nur der reflexhafte Griff in die Anti-Braun-Kraut-Schatulle. Nur dieses Kraut stinkt mächtig, schon ewig überlagert, ist auch nicht mehr zeitgemäß, dazu klebte wohl auch an dem Gras ein „s“ zuviel. Nur kennt diese Partei kein anderes Mittel, ein weiterer Beleg für die zunehmende (geistige) Verarmung in dieser politischen Region. Vielleicht ist es auch nur ein leiser Fingerzeig, dass diese Partei rein gar nichts mehr hat was da links und rot wäre. Wenn als erstes schon die „Solidarität“ mit einem ehrbaren, wenn auch streitbaren aber verdienstvollen Weggefährten auf Zuruf ausgesetzt wird, dann muss man sich ernsthaft fragen wer dort in der Partei die Etikette macht.

Fremdschämen ist nicht nötig

Mit Bezug auf Grass und seine literarisch geäußerte Sorge, die eingedenk der bleiernen Worte schwer wiegt, versucht es also auch die SPD mit Fremdschämen, weil sie in einstudierter Manier davon überzeugt ist dass es so politisch korrekt ist. Die Mehrheit der Bevölkerung mag sich so rein gar nicht diesem Verhalten anschließen und hält Grass die Treue, gesteht ihm aber mindesten die Diskussionswürdigkeit seiner Sorgen zu. Sind diese Genossen jetzt was besseres wenn sie sich zu der Minderheit bekennen die Grass’ Thesen als Frevel brandmarken möchten?

Gut in China ist auch noch ein Sack Reis umgefallen, das hat man uns nur nicht berichtet. Wenn dort ein ranghoher Vertreter der Regierung, der als ziemlich mächtig anzusehen ist, gleiche Warnungen ausgibt, dann sollte man die hier nicht vermelden, weil es die österliche Kreuzigung des Grass hätte torpedieren können. Der spricht ja auch nur für 1,3 Mrd. Menschen. War also nix für den Mainstream, aber einige Quellen haben es dennoch notiert, hier The Intelligence (deutsch) mit weiteren internationalen Quellen.

Aber gut wenn wir uns unbedingt fremdschämen wollen, dann sollten wir es vielleicht für die knöcherne Haltung der SPD tun. Uns dafür schämen, dass wir immer noch solche Politiker haben, die alle Zeichen der Zeit verpennt haben, sich nicht zu schade sind, als Opposition, zusammen mit der Regierung gegen die Bürger zu arbeiten statt für selbige. Ich denke diese Form von Scham wäre angebracht, weil es nichts peinlicheres geben kann als Menschen zu verraten, die man qua Auftrag gerecht zu vertreten hätte. In dieses Repertoire fällt dann am Ende auch die Abschaffung der Demokratie. Dafür sind sich diese Genossen, oder sollte man besser sagen Denunzianten, nicht zu schade. Auf die Aufzählung, von den Beschlüssen zum Euro bis hin zum Ausbau des Überwachungsstaates und der Führung von Kriegen, sei an dieser Stelle verzichtet.

End political Mindfuck – Legalize Grass

Dem Günter Grass kann man getrost empfehlen diese Genossen genüsslich in der Pfeife zu rauchen, sofern er sich vor der schlechten Qualität des Tobaks nicht ekelt, aber zu mehr scheinen die nicht zu taugen. Und von dem echten Grass können wir eigentlich gar nicht genug bekommen, der Stoff ist gut, der rüttelt auf, macht hellwach und wenn sich der erste Rauch verzogen hat, lässt er vertiefte Einblicke in die sogenannten No-Go Bereiche zu. Sehr spannend und bewusstseinserweiternd. Hoffentlich und endlich mal die Chance überholte und veraltete Standard-Keulen aus dem Waffenarsenal des „Mind-Control“ zu entfernen und durch geistreichere Mittel zu ersetzen. In jedem Falle müssen wir uns weiter für die Legalisierung des literarischen Grass’ einsetzen, es nicht zu tun hieße die Chance auf Bewusstseinserweiterung und -wandel zu verschenken.

Und mit abschließendem Blick auf die SPD muss man den Herrschaften wohl abermals mittels einer ebenso abgedroschenen Phrase erklären, dass „Genossen“ die Vergangenheitsform von „Genießen“ ist. Dumm gelaufen wenn man weiterhin in der Vergangenheit hängen bleibt. Schon Honecker glaubte seinem Bruder Gorbatschow nicht, dass derjenige vom Leben bestraft werde der zu spät kommt. Lernresistenz scheint aber ein großes Problem all unserer etablierten Parteien zu sein, was der Aufschwung der Piraten aktuell wohl mehr als deutlich belegt.

Was haben die Genossen von der SPD nur geraucht
11 Stimmen, 5.00 durchschnittliche Bewertung (99% Ergebnis)