BRDigung: Es ist Ostern und da muss traditionell wer ans Kreuz genagelt werden. Jahrhunderte alte Tradition, Langeweile und quälender Mief in der Causa Kreuz, stets demselben zum Wohle der Menschheit die Nägel durch die Gliedmaßen zu treiben, erfährt diese Tradition im Jahre des Herrn 2012 eine schrille Neuerung. Nun hat eine literarische Größe Deutschlands die Opferrolle aufgedrückt bekommen. Mit korrekten wie auch vorausschauenden Einsichten, die man aber auch mit letzter Tinte nicht schreiben darf, hat Günter Grass sich förmlich für diese große Rolle angeboten. Ein Großteil des Mainstreams hat das Opfer dankbar angenommen, ist er doch alt genug das Kreuz zu tragen. Und für eine Handvoll Silberlinge sind sich die Gazetten nicht zu schade ihn in bewährter Tradition dem bekannten Schicksal entgegenzuschicken. Die wirklich revolutionäre Neuerung besteht nun allerdings darin, dass dieselben auch noch die Rolle der Pharisäer übernehmen, die des Pontius Pilatus und ihn gleichzeitig auch noch ans Kreuz schlagen. So erst bekommt man die vierfache „Vierte Gewalt“ so recht zu spüren. Die Ausnahmen schleichen seitwärts und geduckt zur Prozession einher.

Was hat Günter Grass verbrochen

Er hat das getan was die Überschrift seines Gedichtes besagt und genau jenes gilt es auf alle Zeit zu verschweigen. Da liegt der Frevel und die nie zu tilgende Schuld. Deutschland hat historisch und alleinig das erbliche Schuldprivileg bis in alle Ewigkeit und damit keinerlei Recht auch woanders Schuld zu vermuten und schon gar nicht dem auserwählten Volk Gottes irgendwelche unlauteren Absichten zu unterstellen. Auch dann nicht wenn wir täglich Hinweise auf die Gräuel der Auserwählten beobachten können. Wer sich dieses Gedicht von Günter Grass bisher noch nicht vergegenwärtigt hat, der kann es an dieser Stelle bei der Süddeutschen Zeitung tun. Bei näherem Hinsehen kann man die Zeilen von Günter Grass aber auch anders interpretieren. Er redet abermals von Schuld, die wir gerade im Begriff sind uns erneut als Deutschland aufzuladen. Dieser Aspekt kommt viel zu kurz. Wir liefern U-Boote die sehr wohl den Grundstein dieser neuen Schuld legen könnten. Wollen wir also neue Schuld auf uns laden oder reicht uns die Buße für die alte Schuld. Oh weh, was nur wenn es vielleicht doch so kommt wie es Grass mit düsterem Zeilen andeutet?

Keine Sorge, bald sind wir endlich wieder die Guten

Folgt man den Intentionen dieser Pharisäer, dann müsste ja gerade dieses „gute Werk“ zum Schutze der einstigen Opfer, denen gegenüber wir in ewiger Schuld stehen, diese Schuld tilgen, obgleich die untilgbar ist, wir versuchen den Spagat aber trotzdem – mit U-Booten. Könnten wir uns abermals mit grandiosem Know How und deutscher Wertarbeit an der Ausrottung einer unschuldigen Zivilisation beteiligen, allein um einen kaum zu definierenden Hass oder Machtanspruch oder was auch immer zu befriedigen, nur auf der richtigen Seite seiend. Oder gehört dies ernsthaft zum Schulden-Tilgungsplan? Natürlich ist so etwas völlig abstrus, gar nicht denkbar, irreal und kann gar nie vorkommen. Nie würde man uns belügen, dass haben schon der Irak und Afghanistan belegt. Der treue Michel soll sich seiner Schuld hingeben und nicht denken, das hat vor 70 Jahren bereits der Adolf übernommen und jetzt werden es schon die Empfänger der U-Boote in gerechter Weise für uns tun. Wir müssen daraus lernen, endlich auf die richtige Seite der Mörderbanden dieser Welt zu kommen, nur das könnte uns am Ende von jeglicher Schuld befreien und erlösen. Oder besser noch, gegebenenfalls mit dieser neu aufzunehmenden Schuld die alte ablösen, die uns dann von Gott persönlich vergolten werden soll? Und wenn wir uns dabei verkalkulieren, dann ist es womöglich eine Doppelung der Schuld? Wenn wir klaglos anerkennen dass das auserwählte Volk Gottes über jegliche irdische Kritik erhaben ist und alles was es tut wie von Gott selbst gemacht ist, dann sind wir als Hoflieferanten der Macht willkommen? Hier hat „Günter Krass“ in blasphemischer Weise gefehlt und sich der Gotteslästerung schuldig gemacht, dafür gehört er nun ans Kreuz geschlagen und wir werden Zeuge seiner gerechten Hinrichtung.

Dessen nicht genug

Jeder der sich erdreistet, sei er auch noch so spät geboren, die Schuld nur aus den Geschichtsbüchern ererbt, hat seine Schuld einzugestehen und zu tragen. Es genügt nicht, nur einfach einzusehen dass da unverzeihliches passiert ist, alles dafür zu tun dass sich so etwas nicht wiederholt. Nein, nur die aktive Beteiligung einer von Gottes Hand geführten Friedenspolitik mit deutschen U-Booten in göttlichen Händen kann uns den Segen spenden. Liebe Leser, machen sie sich nicht mitschuldig, schalten sie ihr Hirn ab, tun Buße, auch wenn sie nicht wissen wofür, allein die Tatsache, dass sie diesen Text lesen und verstehen können, also der deutschen Sprache mächtig sind, ist Schuld genug. Die mediale Kreuzigung von Günter Grass belegt deutlich wahrnehmbar, dass die Hirne der Medienkampftruppen in weiten Teilen noch hinreichend ausgeschaltet sind, die Jahrzehnte währenden Hirnwäschen ihre Wirkung nicht verfehlt haben und wir gemeinsam den von Grass angezeigten Irrweg zu unserer Besserung beschreiten können.

Es geht schon lange nicht mehr um sachliche Kritik, Menschlichkeit, Frieden, Offenheit und moralische Werte, es geht, oh Wunder, wieder einmal um blinden Gehorsam. Dazu gehört auch die regelmäßige Selbstkastration im Büßerhemd, wenigstens ebenso traditionell wie eine feine Kreuzigung, das darf man von uns erwarten, wie auch die Absenz jedweder Kritik. Kennen wir das nicht schon irgendwoher … nein … jetzt schalten sie bitte endgültig ihr Hirn ab, jegliche weitere Kritik wäre die Leugnung ihrer Mitschuld und in sträflicher Nähe zum soeben Gekreuzigten zu sehen. Und deshalb muss dazu nichts gesagt werden.

Was verschwiegen werden muss, Kreuzigung des Günter Grass
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