Alb-Traumschiff: So langsam wird es spannend. In NRW ist gerade einmal wieder ein Landesregierung in sich zusammengesackt. Auf Bundesebene, also in Berlin, tun sich schon die Parteien zusammen, um im Zweifel auch gegen das Volk regieren zu können. Es scheint eng auf der Brücke zu werden unseres Schiffes zu werden, dort macht sich Unruhe breit. Die Linken sind sich irgendwie noch nicht schlüssig, ob sie ihre Daueropposition an den Nagel hängen sollen, um sich entweder der vermeintlichen Mehrheit dort anbiedern zu können oder doch mehr die Menschen in den Vordergrund zu stellen. Aber spielen will mit ihnen auch niemand so recht, außer vielleicht der Verfassungsschutz. Da wird nun die große Mehrheit der Menschen im Lande mit offenem Mund und großen Augen stehen gelassen während die politische Kaste das Tafelsilber zum Fenster rauswirft und parallel dazu die Bürger noch weiter unter die Knute zu bringen versucht. Wie der Spiegel-Online hier zu berichten weiß, sind selbst die Grünen alarmiert. Warum nur? Dämmern auch ihnen inzwischen die Piraten. Offenbar planen die jetzt für NRW einen Blitzkrieg und bei den Etablierten geht die Angst um. Berlin haben sie auf Anhieb geentert, wie sieht es mit den anderen Bundesländern aus und was passiert 2013 bei der Bundestagswahl.

Was macht die Piraten so spannend

Die Piraten sind frisch, unverbraucht, noch so herrlich naiv wie so viele Menschen im Lande auch, die glauben dass man was für die Mehrheit der Menschen im Lande erreichen kann, einfach an das Gute. Sie sind eben nicht so verkommen, so abgewichst wie die „alten Hasen“ und Seilschaften, die derzeit das Politikgeschäft in den Ländern und im Bund fest im Würgegriff haben. Und man kann es immer wieder nur laut rausschreien, es muss sich in Deutschland etwas ändern. Dringendste Aufgabe dürfte wohl sein Merkels schönstes Spielzeug, die „indirekte Demokratie“ zu den Akten zu legen und eine neue Demokratie zu schaffen die in jedem Falle um vieles direkter werden muss. Und genau an dieser Stelle und für dieses Thema stehen die Piraten, dass macht sie so sympathisch nach den vielen Entscheidungen der letzten Monate und Jahre in denen uns die jetzigen Machthaber nach Strich und Faden verladen haben. Selbst die Grünen haben sich von dieser Politmafia aufsaugen lassen und brillieren allenfalls noch mit einen schalen Abglanz aus ihrer Gründerzeit, deshalb bekommen sie zurecht Angst vor dem was die Piraten gerade ihnen abjagen könnten, den ewigen und inzwischen völlig abgeschlafften Dauerbesetzern der Felder Innovation und Alternative.

Wie können sich die Piraten von dem Erwartungsdruck befreien

Vermutlich haben die Menschen derzeit weniger Erwartungen an die Piraten, dafür aber noch erheblich mehr Hoffnungen. Den Druck bauen die Medien nebst der etablierten Konkurrenz auf. Die wollen die Piraten unbedingt in irgendeine politische Ecke drängen, sie festnageln oder mittels ihrer eigenen Aussagen am Fahnenmast aufhängen, allein schon um ihnen keine Macht zukommen zu lassen, weil die bislang unter den Etablierten scheinbar gut verteilt ist, da will man gar keine neuen Mitspieler, die ggf. die politische Landschaft aufmischen.

Sehen wir noch einmal auf das Grundanliegen der Piraten: mehr Demokratie! Dann haben sie die beste Ausgangsbasis wenn sie sich eben nicht festnageln lassen. Damit ist die erste Aufgabe festgezimmert und wenn wir tatsächlich erst einmal mehr Demokratie haben, dann erübrigt sich die Frage nach den Inhalten, denn dann können die Bürger selbst die Inhalte bestimmen. Insoweit müssen sich die Piraten heute nicht auf irgendwelchen faulen Budenzauber einlassen und Stellungnahmen abgeben ob sie für oder gegen oder für irgendeinen Krieg sind, ob für oder gegen Steuersenkungen oder Erhöhungen, ob für oder gegen irgendwas im Regenwald. Alles Baustellen und Diskussionsrunden die sich bis dato erübrigen.

Es kann nur ein Ziel geben: die Infrastruktur für mehr Demokratie zu schaffen, endlich diese unselige „indirekte Demokratie“ verschrotten und gemäß der menschlichen Fähigkeiten und der technischen Möglichkeiten die wir heute haben, die jetzt praktizierte Steinzeitdemokratie mit dem X alle vier Jahre, endgültig in die Geschichtsbücher zu versenken. Danach können sich alle Menschen nach eigenem Belieben an diesen Prozessen beteiligen, für Themen und für Mehrheiten streiten, in offenen und transparenten Prozessen und nicht mehr hinter verschlossenen Türen in irgendwelchen Kungelgesellschaften die nachweislich nur von Interessen bestimmt werden die mit dem Wohl der Gemeinschaft schon lange nichts mehr zu tun haben und nur über elende Krücken und Begründungen den Menschen medial wiederkehrend als „alternativlos“ untergejubelt werden.

Brauchen die Piraten ein Gesicht

Nein, dem Grunde nach nicht. Denn wenn sie konsequent die Demokratie nach vorne bringen wollen, dann sollten Gesichter keine Rolle spielen. Dies ist bedauerlicherweise ein altes Klischee dem wir allerdings immer wieder erliegen, nicht zuletzt weil wir es gewohnt sind Gesichter, Gestalten, Persönlichkeiten mit Inhalten zu verbinden die uns stets versprochen und am Ende vorenthalten werden. Sofern es den Piraten gelingt mehr Demokratie in den Staat zu zaubern, desto weniger wichtig sind Gesichter. Die Piraten wären gut beraten sich nicht zu sehr auf dieses Feld schicken zu lassen, auch wenn die Jornalie und die Konkurrenz dies gerne so hätte. Die anstehende Aufgabe ist wichtiger und deshalb kann man ebenso, wie im Bild, den Piraten ein beliebiges Gesicht geben, auch wenn der Guy Fawkes den Kern nicht trifft, aber ein Anonymous ist schon nicht so abwegig. Es braucht jedenfalls keinen Personenkult, es braucht einfach nur die richtige Sache, gepaart mit dem Willen etwas für die Menschen zu tun und nicht für diese unsägliche Clique. (Bildnachweis)

Ja, wir sind alle irgendwie Piraten

Eine große Mehrheit der Menschen ist heute von der politischen Willensbildung per indirekter Demokratie mehr oder minder abgeschnitten, sie werden schlicht auf ein undefinierbares X reduziert und gerade in der letzten Zeit wird dies immer offenkundiger und auch hinsichtlich der Auswirkungen für die Menschen immer gefährlicher. Wir brauchen nicht nur einen neuen Hoffnungsstern, wir brauchen Leute die den Umbau in Richtung einer echten Demokratie vorantreiben, mehr Beteiligung einfordern. Ändern ist phonetisch nicht weit weg von entern. Und so schlimm es sich anhören mag, wir müssen erneut unser eigenes Land entern um es zu retten. Um es wieder zu einem Flecken Erde zu machen an dem die Gemeinschaft zählt, menschliche Werte, Sozialstaatlichkeit, Aufrichtigkeit und Miteinander und nicht nur Globalisierung, Leistungsdruck und Profitdenken den Alltag bestimmen. Diese Vorstellung wird aktuell und immer offensichtlicher von den Etablierten gegenüber den Menschen durchgepeitscht.

Derzeit sind wir alle nur Knechte eines Systems, keinesfalls „Souverän“ und segeln alle unter einer falschen Flagge die eher einer Sklaven-Galeere zur Zierde gereichte als einem stolzen Schiff welches die unendlichen Meere des Lebens besegelt. Und selbst die Menschen, die sich mit der falschen Flagge abgefunden haben oder sogar gut finden, sollten soviel Toleranz auf die Reihe bekommen, den frischen Wind um die Nase spüren, dass sie diesem Gedanken Raum und Chance geben. Derzeit sehen wir auf der Brücke in seltener Eintracht die CDU/CSU/SPD/FPD und die Grünen Schampus saufen und gleichzeitig die Peitsche schwingend und brüllend: Noch härter, noch länger arbeiten für noch weniger Geld, Sklaven Bürge® denkt an die Globalisierung rudert härter, rechts will wer überholen, dass können wir nicht zulassen … schneller … schneller … und prosten sich dabei nochmals amüsiert gegenseitig zu und natürlich auch äußerst freundlich der Führungsmannschaft vom Nachbarschiff die gerade auf ihre Ruderer eindrischt, während unten an den Riemen die ersten Ruderer zusammensacken. Aus Sicht der Brücke ein wenig Schwund, den man demnächst als menschlichen Abfall über Bord werfen wird um das Schiff zu leichtern, damit es noch schneller geht.

Wenn wir nicht in nächster Zeit die Flagge auf diesem BRDigungsschulschiff wechseln und das Ruder herumreißen, dann riecht es nach Meuterei und schlimmeren Dingen, weil die Menschen derzeit auf dieser Galeere einfach nur endlos ausgesaugt und missbraucht werden. Und wer diesen frischen Wind riechen und spüren kann, der ist nah dran ein Pirat zu sein. Wer den Wind nicht spürt, der wird ungerührt und abgestumpft, weisungsgemäß unter dem Einfluss der globalen Peitsche weiter rudern, wenn auch nur aus Angst vor dem nächsten Schlag. Nichts wäre allerdings schlimmer als eine solche Gelegenheit zu versäumen und deshalb sind die Piraten Chaos, Neuland, Risiko aber gleichzeitig eine ganz seltene Hoffnung und Chance auf echte Veränderung im Sinne der Gemeinschaft, sprich das Kommando von unten her zu übernehmen und die Brücke von den Kostgängern und Nichtsnutzen zu befreien. Auf den Punkt gebracht: Rudern einstellen, die Brücke säubern, die Sklaventreiber über Bord werfen, Segel setzen und gemütlich die Meere des Lebens besegeln statt weiter dem Ruder-Sklaven-Wettbewerb der Antreiber zu dienen, auch wenn dann alles etwas beschaulicher vonstatten geht. Nur so kann es eine Chance auf Leben und Freiheit statt Knechtschaft geben. Alles was die bisherigen Parteien seit Jahrzehnten versprechen und fortgesetzt brechen, weil sie sich auf das Kommando des Galeeren-Eigners eingelassen haben, irgendeine graue Eminenz mit einem globalisierten Umhang, der zwar gut für seine Offiziere sorgt, dass diese auch weiterhin die Peitsche schwingen können. Lieber ein wenig Tumult und Aufruhr in der politischen Landschaft als eine weitere Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. Und wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt und die letzte Gelegenheit nicht wittert, der muss (hin)nehmen was ihm gelassen wird. Na juckt es ein wenig? Sind wir nun alle Piraten oder doch eher Duckmäuser und gehirngewaschene Nichtse?

Sind wir nicht alle irgendwie Piraten
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