Schloss-Schönblick: Nun gut, machen wir uns in der Sache nichts vor. Zuvorderst muss man natürlich wissen, dass dieser Bundespräsident nicht einer der Herzen ist sondern zur Merkel-Equipage zählt, darüber hinaus ist er ein „Präsident der Dritten Wahl“, liegt schlicht und einfach in der Anzahl der benötigten Wahlgänge begründet, derer es bedurfte bis er in Amt und Würden gehievt war. Dass Mauschelei, Parteienklüngel und Günstlingswirtschaft ihn überhaupt erst dorthin befördert haben scheint dabei irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein. Wenn jetzt die unrühmliche Fortschreibung dieser Elends-Geschichte mit seiner persönlichen Kreditkrise moniert wird, man von fehlender Moral des Delinquenten spricht und auch den Anstand vermisst, dann ist dies natürlich nicht weniger heuchlerisch denn die Nation wusste ja bereits um die Pöstchenschieberei.

Nun gut zurück zur Überschrift. Kredit und Politik sind angeblich Vertrauenssache. Dieser Tage will man also erkannt haben, dass der Präsident überbewertet war, also das Vertrauen nicht mehr gegeben ist. Die in Rede stehende Position soll im Regelfall stets mit einer „Ersten Wahl“ besetzt sein, um also im Rating-Jargon zu bleiben, mit einer AAA-Figur. Jetzt wiederholt sich hier was wir schon im Verlauf der „Guthabenkrise“ lernen mussten, es werden Institutionen und offenbar falsche Werte viel zu hoch angesetzt, die dem Grunde nach längst Junk sind. Wobei die Korrekturen mal wieder viel zu spät kommen. In besagtem Fall hätte es diese AAA-Wertung natürlich auch nie geben dürfen, die war aber politisch gewollt und gekünstelt, wie so vieles rund um die Geldkrise auch. Nur am Rande sei erwähnt, dass bereits das Amt des Bundespräsidenten mit dieser Besetzung um einige Klassen abgewertet wurde. Man konnte also auf einen Gleichklang der Werte hoffen, ist aber ganz offensichtlich schiefgegangen.

Wie kommen wir jetzt aus dieser Präsidentenklemme wieder raus? Eines ist klar, an der Herabstufung, einem sogenannten Downgrade führt kein Weg vorbei. Dieses Präsidenten-Derivat war und ist völlig überbewertet und die jetzige Präsidentenkrise war vorhersehbar. Zu viele Warnsignale wurden wie immer einfach sträflich übersehen. Letzteres ist aber der gute Ton in der Berliner Politik. Die bange Frage ist natürlich, kann man ihn sukzessive herunterraten oder wird er gleich bis auf Junk-Status nach unten durchrauschen. Wie bei allen anderen Anlagen auch könnte man es mit einer Abschreibung auf realistisches Niveau versuchen, allerdings müsste man ihn dann vermutlich wieder in den Niedersächsischen Landtag oder sonst wo in die Provinz zurückbeordern. Hier scheinen sich die Gazetten und Rate-Anstalten der Nation noch nicht gänzlich einig zu sein. Müssen wir in diesem Zusammenhang noch ein Wulff’sches Rettungspaket von Merkels Gnaden auf den Weg bringen? Kann man ihn ggf. auch in Bad Bank noch zwischenlagern und auf eine Wiederauferstehung a la Guttenberg hoffen? Wird sich Wulff jemals rentieren oder wird er schlicht floppen, wie man in Finanzkreisen zu sagen pflegt.

Das schlimmste Szenario wird aber derzeit im Mainstream noch nicht beleuchtet. Die sogenannte Sogwirkung eines spontanen Downgradings. Sollte also Wulff „on the fly“ auf Junk-Status enden könnte dies am Ende die Merkel-Bonität deutlich in Mitleidenschaft ziehen und in ihrem Gefolge wiederum die gesamten C-Parteien mit in den Abgrund reißen. Eine grausige Vorstellung wenn aus diesem Anlass das gesamte Polit-System zu Berlin kollabieren sollte oder in der Folge alle dortigen Einheiten angesteckt würden und auf Ramsch-Niveau enden würden. Aus diesem Anlass, zur Rettung der Ehre und der Nation sollte man also eine andere Überlegung nicht aus den Augen verlieren. Eine dramatische Aufwertung der Position Wulff wäre die Lösung … sprich Wulff löst Herman van Rompuy als EU-Präsident ab und mimt den europäischen Übervater. Dann kann man diese kleinen, hier auf nationaler Ebene diskutierten Makel einfach ausblenden. Damit sollte das Vertrauen in die Politik wieder hergestellt sein und auch die politische Physik könnte abermals unter Beweis gestellt werden, dass ab einer gewissen Schwergewichtigkeit ein Fall generell nur noch nach oben erfolgen kann. Also dann, stoßen wir schon mal mit dem Protagonisten ein feines Prösterchen auf die Polit-Physik an.

Bundespräsident Wulffs Kreditkrise – Downgrade unausweichlich
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