Neues Bundestrojaner 3.0 Konzept soll Flop wettmachen

Geheimsdorf: Nachdem die niederen Bayern (nicht die Niederbayern) sich einmal mehr gründlichst mit ihren grottigen Programmierkünsten in Sachen Späh-Sofortware blamiert haben, holt jetzt die Staatssicherheit zum Gegenschlag und zur Ehrenrettung aus. Inzwischen unter dem Codenamen Bundestrojaner 3.0 in der Szene bereits in aller Munde, bemüht man sich um Schadenbegrenzung, nachdem man sich von den Bayern schon meilenweit distanziert hat. Hier werden die Bayern wohl noch ein Hühnchen vom Bundesrechnungshof gerupft bekommen, wonach es wenig sinnvoll gewesen sein dürfte soviel gutes Geld für derlei Dilettantismus aus dem Fenster zu werfen. Für diese Unsummen hätte man dort gut einige Heerscharen Hartz IV Bezieher zum Festplatten schleppen verpflichten können, vermutlich auch noch mit erheblich mehr Erfolg.

Weiter bedeutet dies natürlich eine generöse Blamage der Gamsbartträger beim Grundgesetz-Hürden-Hüpfen, in dieser Disziplin hat man kläglich versagt. Dies weniger aus Dummheit als vielmehr aus purer Ignoranz. War man doch bislang nicht ganz zu Unrecht davon ausgegangen dass das Grundgesetz in Bayern keine Gültigkeit habe. Hätte man den bayerischen Trojaner auf einige Rechner in Karlsruhe angesetzt, dann hätte man vermutlich eine aktuelle Version des Grundgesetzes auf diesem Wege erhalten können. Auf diese Idee ist aber das Bayern BKA offensichtlich noch nicht gekommen oder man wollte nicht zu sehr in Feindesland vordringen.

Aber zurück zum eigentlichen Bundestrojaner. Das gescheiterte Modell aus Bayern sehen sie oben rechts abgebildet, es dürfte wohl jetzt endgültig in die Türkei exportiert werden, weil hierzulande keine Verwendung mehr dafür besteht. Der etwas abgewrackte Eindruck täuscht nicht, ist tatsächlich das hochpolierte Original. Nach diesen brennenden Erfahrungen und den quälenden Qualitätskontrollen durch den CCC (Chaos Computer Club) gelobt man auf Bundesebene Besserung. Damit das neue Konzept nicht wieder in Verruf gerät und auch mit dem Grundgesetz nicht mehr kollidieren kann, will man es gleich von Beginn an transparenter gestalten und auch die Bürgerherzen für das Projekt im Namen der Sicherheit etwas weiter erwärmen. Ab 2012 soll der Bundestrojaner 3.0 allen Bürgern zum unbeschränkten und kostenlosen Download in der Standardversion zur Verfügung stehen.

Nun aber zum eigentlichen Konzept dieser Schnüffelsoftware die ab 2012 auch nicht mehr als solche bezeichnet werden soll sondern nur noch als „Bundesdeutsches Sicherungs-Tool“ alle PC-User Herzen höher schlagen lassen soll. Übrigens: Verdächtig machen kann man sich dann auch nur noch, wenn man das kostenfreie Tool nicht freiwillig heruntergeladen hat, sowas lässt auf Geheimniskrämerei schließen und dass man möglicherweise etwas verbergen will, was ja für gewöhnlich nur Verbrecher machen. Die Staatssicherheit rechnet aber felsenfest damit, dass nur die allerwenigsten Bürger dieses Teil zwangsimplementiert bekommen müssen, weil man auf die Ordnungsliebe und Gesetzestreue der Deutschen vertraut.

Was wird der Bundestrojaner 3.0 können?

Er wird einfach alles können, dass darf er auch, weil er ja ursächlich freiwillig heruntergeladen werden soll und auch nach dem Grundgesetz gilt: „Dem Wollenden geschieht kein Unrecht“, dies ist der neu Dreh bei der Sache. Die zwangsweise zu installierende Variante wird etwas abgespeckter sein und die rudimentären Anforderungen des Grundgesetzes berücksichtigen damit es hier nicht zu Klagen von Seiten der Verbrecher kommen kann. Darüber hinaus werden dem Bürger dann selbstverständlich auch in der edleren „Sicherungs-Tool-Deluxe“ Variante diverse kostenpflichtige Add-Ons angeboten werden, die seine Sicherheit noch um ein gerüttelt Maß zu verbessern imstande sein sollen, diese sind im Einzelnen:

  • Backup-Tool für alle Bankoperationen nebst Speicherung von PIN, TAN, Salden und Umsatzlisten sowie insbesondere aller getätigten Online-Umsätze mit Banken außerhalb Deutschlands, die nur allzu leicht verloren gehen können …
  • Aufschaltung der häuslichen Alarmanlage zur nächstgelegenen Polizeidienststelle mit permanenter Livebildübertragung, so lassen sich Snapshots der Einbrecher zur direkten Fahndung erstellen …
  • Besonders für alleinlebende Rentner empfohlen, die Aufzeichnung und fortlaufende Auswertungen der Lebensgrundfunktionen wie Herzschlag, Puls, Atemfrequenz und Körpertemperatur. Bei auffälligen Mustern ist bereits nach 60 Sekunden ein Rettungsdienst unterwegs, sollte mal die Auswertung versagt haben und die Körpertemperatur bereits Raumtemperaturniveau erreicht haben, kommt automatisch der Leichenwagen …
  • Für junge Leute die sich gerne einen Chip setzen lassen gibt es das absolute Highlight. Vollautomatisches und bundesweites Tracking. Auch nach dem Koma-Suff kann man seine nächtliche Route am nächsten Tag virtuell am PC metergenau nachvollziehen und so ggf. verlorene Gegenstände leichter wiederfinden …
  • Wer das Tracking-Gold Paket besitzt, kann auch seine verchipten Hausgenossen Waldi, Maunz und Tweety jederzeit per Live-Ortung in der ganzen Replik schnell wieder aufstöbern. Für Computer und andere mobile elektronische Kommunikationsgeräte steht dieser Auffind-Dienst natürlich auch zur Verfügung. Und wer mit seinem ebenfalls registrierten Auto auf den Mautstrecken unterwegs ist, bekommt an jeder Mautbrücke eine Rückvergütung (Cash-Back) von 5 Cent gutgeschrieben … da lohnt sich doch die Kilometerfresserei auf deutschen Straßen gleich wieder.
Erweiterte Produkt-Vorschau

In den Geschäftsbedingungen zum Bundestrojaner 3.0 ist selbstverständlich festgeschrieben, dass auch die staatlichen Dienste sich der aufgezeichneten Daten jederzeit unbeschränkt bedienen dürfen, diese auch für Schnäppchenangebote an entsprechende Anbieter verhökern können, denn auch die Refinanzierung eines solchen Mammut-Projektes will sehr wohl durchdacht sein und nicht alles in diesem Sektor kann man dem Steuerzahler aufbürden, wie der vorherige Flop gerade eindrucksvoll belegt hat. Dafür locken in den Folgejahren auch massenhafte Erweiterungen mit entsprechendem staatlichen stattlichen Mehrwert. Die amtlichen Schnüffler sind felsenfest davon überzeugt mit diesem Produkt das just verlorene Vertrauen der Bürger alsbald zurückgewinnen zu können.

Und der Oberkracher in Sachen Geheimhaltung ist natürlich mal wieder etwas was nur qpress.de entzaubern kann, auch Wiki-Lügs hat hiervon noch keine Peilung bekommen. Da alle Welt Trojaner immer mit Pferden und Griechenland in Verbindung bringt, wir aber schon seit längerem wissen dass es sich dabei an sich um eine ziemliche Sauerei handelt, sind wir den Staatsschützern recht schnell auf die Schliche gekommen und haben gleich mal den ersten Prototypen des neuen Trojaners abgelichtet. Oh Wunder, unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, es handelt sich fürwahr um eine reichlich schweinische Sache, hoffentlich macht man uns für diese Veröffentlichung (Enttarnung des neuen Bundestrojaner 3.0) nicht gleich die Webseite zu, sollte es doch eine Überraschung fürs Volk werden, die man a la Steve Jobs von Apple (Gott hab ihn selig) noch gerne eine Weile im Dunkel gehalten hätte.

Bildnachweis Pferd: Autor: Ross Burgess | CC-BY-SA 3.0 | Bearbeitung qpress.de
Bildnachweis Schwein: Autor: Amd194 | CC-BY-SA 3.0 | Bearbeitung qpress.de

Neues Bundestrojaner 3.0 Konzept soll Flop wettmachen
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Kommentare

Neues Bundestrojaner 3.0 Konzept soll Flop wettmachen — 4 Kommentare

  1. Hallo Wika, schön geschieben. Eine Testversion vom Bundestrojaner 3.0 hat übrigens jeder treue Steuerzahler schon auf seiner Festplatte, er wird zusammen mit dem Programm “Elster” als Subfunktion mit installiert.

    • Hallo Kamillo, schön Dich auch hier mal zu sehen. Freue mich sehr über Deinen Besuch und natürlich auch über den erläuternden Hinweis zu der ominösen Elster-Subfunktion, war mir gar nicht so klar das die Späher schon zu dicht an den Geldbeuteln (Steuerzahler) der Nation sitzen.

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