Drohnen über London, Cameron macht Kampfansage

London: Armes England, finanziell und mittlerweile auch im Geiste. Die Gewalt bricht sich Bahn und prompt kommt die regierungsgewaltige Ansage zur Gegengewalt. Brennende Mülltonnen, Autos, Häuser, Randalierer und Plünderer allerorten. Kriegsgleiche Straßenschlachten mit der Polizei, erste Tote, viele Verletzte, die englische Metropole zunehmend polarisierter und im Ausnahmezustand. Eine Situation, die wir ansatzweise schon von Paris her kennen. Dennoch scheint hier etwas anderes mitzuschwingen, die Analyse ist allerdings nicht einfach. Die Experten streiten sich, ob nur kriminelle Subjekte ihr Unwesen treiben, wie tiefgreifend soziale Ursachen dafür sein könnten und wie sehr gar die mörderischen Sparmaßnahmen der Regierung diese Situation begünstigt haben.

Jetzt prescht der Regierungschef mit harschen Drohungen in die Runde, will die Sache mit aller Härte wieder befrieden. Neben dem Einsatz von Wasserwerfern, der bislang von den Engländern für unwürdig befunden wurde um in einer Demokratie Verwendung zu finden, droht Cameron darüber hinaus den Unbeugsamen mit dem Militär. Auf letzteres stehen die Engländer natürlich und ein bisschen Bürgerkrieg im eigenen Lande kann auch nicht schaden. Hätte man dadurch sogar noch ein wenig mehr Veranlassung die harten Jungs von der „Army“ aus den vielen fernen Landen wieder an die Heimatfront zu beordern. Dies wäre auch billiger und würde die harten Sparbemühungen weiter unterstreichen. Hiermit kann er punkten. Weitergehend droht er seinen Opponenten – wie im richtigen Krieg – ggf. auch noch die Kommunikationswege abzuschneiden. Er will Twitter-, Facebook- und Social-Network Verbote in England für diesen Zweck hoffähig machen. Letzteres wird teilweise erfolgreich in islamischen und anderen diktatorischen Staaten bereits angewendet, um die Individuen orientierungslos und unkoordiniert in der Gegend herumstehen zu lassen, Absprache um jeden Preis verhindern. Bestens noch ein Berichterstattungsverbot, dann merkt es auch der Rest der Welt nicht mehr.

Wir können also erkennen, er ist ein kreatives Köpfchen, allzeit den legendären Gewaltmustern des Empire ergeben. Klar, wie soll man in der Krise noch Punkte sammeln, sein Image aufbessern, damit man trotz der Daumenschrauben die man dem Volk angesichts der Krise angelegt hat auch noch die Chance behält im Amt zu bleiben oder gar wiedergewählt zu werden. Qpress interessierte in diesem Zusammenhang was sich Cameron bei seinen letzteren Drohungen gegenüber Teilen seines Volkes gedacht haben mag. Deshalb führten wir einmal ein ebenso gedachtes Interview mit dem Hardliner von der Insel und kamen dabei zu folgenden virtuellen Aussagen, die der Wahrheit entsprechen mögen, aber in der Realität wohl nie und nimmer vom virtuellen Interviewpartner bestätigt werden dürften:

Qpress: Wie konnte es zu diesen Ausschreitungen kommen?
Cameron: Das wissen wir bis heute leider noch nicht. Als Regierung können wir dafür keinen echten Grund erkennen, außer möglicherweise hormonelle Störungen der Störer. Letzteres macht deren Treiben aber natürlich nicht weniger kriminell. In keinem Falle gibt es eine Berechtigung Gewalt auszuüben, da haben auch wir hier in England ein Monopol darauf. Diese Leute gehörten nicht zu diesem Pool, also mussten wir ihnen bisher recht zaghaft zu verstehen geben wer ihre Gewalt in Händen hält. Bedauerlicherweise müssen wir hier wohl noch etwas drauflegen.
Qpress: Sie haben weitere harte Gegenmaßnahmen angekündigt, halten sie diese für gerechtfertigt und glauben sie damit die Gewalt endgültig beenden zu können?
Cameron: Ja unbedingt, es ist ja nur eine begrenzte Verschärfung der Maßnahmen um Schaden von unserer Demokratie fern zu halten. Da muss es schon mal erlaubt sein einige Kommunikationsdienste zeitweilig zu sperren, um so illegale Ansammlungen zu verhindern. Dies dient der öffentlichen Sicherheit und damit unseren Bürgern. Dafür können doch soziale Netzwerke nicht gut sein. Auch die Wasserwerfer mögen im Extremfall den Mut der Kriminellen um einiges herunter kühlen und die Jungs von der Army sind nur zur Verstärkung der Polizei da, weil diese personell gar nicht mehr in der Lage ist England allein in einen Polizeistaat zu verwandeln. Dafür mussten wir bislang auch an der Stelle zu hart einsparen. Natürlich bereiten wir dadurch auch den Boden für unsere europäischen Nachbarstaaten vor. Deutschland wartet förmlich auf solche Erfolgsbotschaften, weil man doch auch dort gerne die Bundeswehr im Innern sehen würde. Nun gut, England ist es gewohnt den Vorreiter zu machen, wir stellen uns dieser Aufgabe.
Qpress: Aus dem Iran, Syrien, Libyen und vielen weiteren hoch angesehen Staaten kommen Vorwürfe, sie würden diese Menschen unterdrücken und einen berechtigten Aufstand mit Gewalt niederzuschlagen suchen. Dies sei sehr undemokratisch, auch verstoße es gegen Gottes Gebote und rieche förmlich danach nur an der Macht bleiben zu wollen?
Cameron: Völliger Unfug, wir haben es hier nur mit Kriminellen zu tun, einen solchen Vergleich lehne ich ab. Sollen sich bitte die Despoten dieser Länder an die eigene Nase fassen.
Qpress: Wo sehen sie bei den angekündigten Maßnahmen den Unterschied zu Ihrem Engagement in Libyen?
Cameron: In Libyen helfen wir den Aufständischen bei der Durchsetzung unserer legitimen Interessen, zum Schutz von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten vor Ort und setzen uns für einen freien Zugang der Welt zu diesem Land ein. Hier in England ist die Sache nicht so komplex, wir sollten die auch nicht so hoch hängen denn in England verteidigen wir lediglich unsere (Sach)Werte, hier kann es nicht um Demokratie und Freiheit gehen, dass wäre ja absurd.
Qpress: Nun haben erste Staaten angekündigt, sie würden die Aufständischen in London aus besagten Gründen unterstützen wollen. Der Anerkennung eines Aufständischen- oder auch Schüler-Rates stünde nichts im Wege. Nach einer Anerkennung könnten sofort Geld- und Waffenlieferungen folgen. Ängstigt sie diese Aussicht, zumal sie ja dann nicht mehr legitimer Vertreter Englands gegenüber diesen Staaten wären?
Cameron: Das ist ja eine bodenlose Frechheit. Wenn wir woanders Bomben werfen und unsere Killerkommandos im Einsatz haben, dann dient dies grundsätzlich dem Frieden, der Freiheit und der Demokratie. Wir werden allen Regierungen das Handwerk legen, die irgendeinen Aufständischen-Rat hier anerkennen wollen. Wir werden sie im Rahmen des Krieges gegen den Terror mit abarbeiten.
Qpress: Aber jene Staatenlenker behaupten doch auch nur gegen Kriminelle im eigenen Land vorzugehen und können da auch keinen Aufstand erkennen. Messen sie jetzt mit zweierlei Maß?
Cameron: Keinesfalls, wir haben da nur einen Maßstab, dass ist der unsere und der allein gültige, darüber kann man nicht verhandeln und den haben uns die Kollegen von der UNO bestätigt.
Qpress: Kommen wir abschließend noch einmal zurück auf die Ursachen. Als einer der Hauptgründe wird die rapide Umverteilung genannt. Dies führt zu massiven Kürzungen auch existentieller Leistungen des Staates gegenüber seinen Bürgern. Wo sehen sie an dieser Stelle beispielsweise den grundlegenden Unterschied zwischen den Menschen in England und in Libyen?
Cameron: Das ist schnell erklärt. In unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist es selbstverständlich auch jedem Mittellosen unbenommen in Frieden, Freiheit und Würde zu verhungern, er wird hieran von keiner staatlichen Einrichtung gehindert, seiner freien Entfaltung steht nichts im Wege. Dahingegen sind die Menschen in Mordafrika, speziell in Libyen, darüber hinaus noch von der Staatsgewalt an Leib und Leben bedroht, diese Freiheit fehlt also dort. So etwas kann man nicht zulassen, deshalb müssen wir den Menschen in dieser Region helfen. Sehen sie, so viel Weitsicht legt selbst ihre Bundeskanzlerin Merkel an den Tag, wenn sie am Hindukusch beginnt die Freiheiten der Deutschen und damit Europas gegen die Taliban zu verteidigen. Wir müssen bei all unserem Handeln stets auf die Wahrung der realen Werte achten, die Menschen wachsen schon wieder nach.

Daraus dürfen wir schlussfolgern dass, je nachdem ob sich nun ein Schüler-Rat in England bildet oder nicht, die Situation dort weiter eskalieren kann. Sollten hernach tatsächlich Waffen- und Geldlieferungen an die Rebellen erfolgen, sähe es düster für den Cameron und die Queen aus. Darüber hinaus hat Cameron natürlich auch nur erst mit den geringsten seiner Möglichkeiten gedroht. Vielleicht werden die im harten Auslandstest befindlichen Drohnen in die Heimat zurück beordert und er könnte dann das Ballerspiel direkt aus der Downingstreet führen und müsste dazu erstens nicht soviel Personal einsetzen (das spart), auch die Verlustquote ließe sich so auf seiner Seite minimieren (spart Menschenleben bei gutem Personal). Ferner könnte er sich beispielsweise im Rahmen des Bündnisses (hier der EU) auch weitere Truppen zur Aufstandsbekämpfung schicken lassen, dies ist in den EU Verträgen bereits vorgesehen, denn wir sind ja schließlich auch alle Freunde und da muss man den Gegnern seiner Freunde auch mal was auf Maul geben wenn es ernst wird, insbesondere wenn die gemeinsamen Interessen der Werte-Gemeinschaft bedroht sind. Ganz ohne Gewaltbereitschaft kann man heutzutage offenbar niemanden mehr beeindrucken. Dies scheint auch die junge englische Generation verstanden zu haben, die teilweise noch die erst in 1986 abgeschaffte Prügelstrafe in der Schule genossen hat, also gar nicht gänzlich ohne Vorbild in dieser Situation operiert.

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Kommentare

Drohnen über London, Cameron macht Kampfansage — 2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag.
    Ich habe ihn mit grossem Interesse- und Spaß gelesen.
    Da kann der Herr Cameron ja froh sein, angehöriger der sogenannten “Westlichen Welt” Gang zu sein.

    Passend hierzu habe ich zuvor diesen Artikel angefangen zu lesen.
    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2011/08/11/bankrott-der-kultur-der-westlichen-welt-nun-offensichtlich/

    Bitte weiter so, diese Art von Humor hilft einem das Ganze mit Fassung zu ertragen :D

    zheon

  2. “Die erste Generation verdient das Geld, die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends…” – Otto von Bismarck

    In welcher dieser Phasen befinden wir uns wohl?

    “Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen
    versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht stets ihr Opfer.” (Gustav Le Bon)

    Bleibt nur noch zu ergänzen, daß die heutigen Demokratien die bislang am besten versteckten Diktaturen sind!

    Soundtrack für Deutschland – Wir sind das Volk!

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