Hartz IV bekommt Lobby

Endlich, die Gestaltung dieser Lobby hat auch lang genug gedauertBRDigung: Endlich ist es soweit. Über Jahrzehnte sahen sich Sozialhilfebezieher, die man heute liebevoll Hartz IV’ler nennt, gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie bekamen jüngst erst den Rang abgelaufen vom sogenannten Sozialhilfeadel II, den Banken und den PIGS-Staaten die plötzlich und unerwartet an den Futtertrog getrieben werden mussten. Passend zu den bald wieder anstehenden Wahlen haben sich die Politiker besonnen auch für diese Klientel nunmehr eine Lobby einzurichten, nachdem der Lobbyismus gerade unter der Schwarz-Gelben Regierung ungeahnte Höhenflüge feiert. Es könne einfach nicht angehen, dass man so viele Menschen von der Bezahl-Demokratie ausschließe, hieß in der Verlautbarung einer gemeinsamen Sondierungsgruppe. Parteiübergreifend habe man sich deshalb Gedanken gemacht, in dem Wissen dass das Geld der Lobbys die politische Kaste unendlich glücklich und zufrieden macht, hier für Abhilfe zu sorgen. Nicht zuletzt unter dem beängstigenden Eindruck, dass auch die Kreuze der bislang nichtssagenden Masse immer noch benötigt werden um weiter im Glaskuppel-Verteilerschrank residieren zu dürfen. Um diesen Zustand nicht zu gefährden sei es angemessen der besagten Gruppe auch eine entsprechende Vertretung zuzugestehen.

Mit dieser Erkenntnis gewappnet soll die Hartz IV Lobby noch in 2011 installiert und für den Lobbybetrieb vorbereitet werden. Es herrschte auch weitgehende Einigkeit darüber, wie diese Lobby hinsichtlich der Mittel auszustatten sei. So sollte generell 1/5 der zukünftigen Hartz IV Erhöhungen direkt oder indirekt an die Parteien und die Bundestagsabgeordneten fließen, damit diese hinreichend für die Umsetzung der Anliegen der Hartz IV Bezieher motiviert und gerüstet seien. Bekanntermaßen leben diese Leute von unzureichenden Diäten. Selbstverständlich könne die Umsetzung nicht so ganz direkt und unter aller Augen passieren, weil so etwas nicht mit den guten Grundsätzen einer anständigen Lobbyarbeit vereinbar wäre, aber die gutwillige Förderung der Entscheidungsträger würde schon geeignete Wege finden. Laut nachgedacht wurde darüber, ob nicht die Betroffenen ihren Anteil jeweils in Bar bei ihrem Mandatsträger im jeweiligen Wahlkreis monatlich abliefern sollten. Dies könne auch den persönlichen Kontakt zum Wahlvolk stärken, was als überaus positive Begleiterscheinung zu werten wäre.

Hier setzte jedoch auch schon die erste Kritik ein. Sollte sich diese Variante durchsetzen, bestünde wegen der Kleinteiligkeit dieser delikaten Angelegenheit die Gefahr, dass die Abgeordneten möglicherweise nicht mehr zu ihrer geregelten Arbeit kämen. Bei 5,00 Euro Hartz IV Erhöhung wäre dies ein Aufkommen von gerade mal 1,00 Euro pro Monat und Nase, was dann in keinerlei Relation zum personellen Aufwand stünde. In Summe betrachtet seien dies allerdings gut 7 Mio. Euro pro Monat oder rund 84 Mio. pro Jahr. Hier wurden die Banken ins Spiel gebracht, die sich auch sogleich für diesen Liebesdienst anboten. Sie rechneten vor, dass sie für diese diskrete Geldvermittlung gut 2,00 Euro pro Transfer benötigen würden, aber auch sie lobten daraufhin eine sich intensivierende Kundenbindung.

Demnach dürfte die Etablierung der Hartz IV Lobby ein voller Erfolg werden, zwar würden anfangs die Bezüge der Betroffenen etwas geschmälert, aber langfristig sollte es dieser Interessenvertretung gelingen unter den genannten Bedingungen die Hartz IV Bezüge so stark steigen zu lassen, dass es Politikern und Banken danach deutlich besser gehen dürfe. Alle Beteiligen lobten darob das Konzept und freuten sich jetzt mit den Stütze-Beziehern auf eine deutliche Verbesserung der Bezüge durch die anlaufende Lobbyarbeit in den kommenden Jahren. Dies würde zur Sicherung des sozialen Friedens beitragen und endlich wäre auch diese Gruppe im Kreise der Lobbyisten hinreichend vertreten sodass Demokratie und Werte keinen Schaden leiden könnten und die bislang monierte Gleichheit im System endlich auch de facto gewährleistet sei. Weil diese Lobby hinsichtlich einer eigenen personellen Ausgestaltung diversen nicht selbst verschuldeten Einschränkungen unterliege, wollten die Volksvertreter die Inhalte dann selbst sachgerecht vorbereiten. Die Vergangenheit habe ja bereits eindeutig bewiesen, dass sie ohnehin am Besten wüssten was dieser Klientel nützlich und zuträglich sei. Ebenso wichtig sei aber auch, dass die zeitgemäße und modernisierte Demokratie endlich an der Basis ankäme, um unangenehme wie auch überflüssige Begegnungen an der Bannmeile mit diesen Wählern von vornherein auszuschließen.

Hartz IV bekommt Lobby
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