Stuttgart 21, der Zug ins politische Nirvana

D-Zu-g-rollt…gen…BRDigungStuttgart: Der heutige Tag ist ein besonders schwarzer Tag in der Geschichte dieser Stadt. Nicht nur weil dies die Hauptfarbe der dort wütenden Regierung ist, sondern auch bezüglich der von dort ausgehenden Signalwirkung. Die Kanzlerine übte schon vor Tagen den Schulterschluss mit der dortigen Regentschaft und unterstellte dem Bürger, er könne mit seinem Protest ein Signal und Bild der Unzuverlässigkeit Deutschlands vermitteln. Dies bedeutet im Umkehrschluss nicht mehr oder weniger, als dass Meinungs(ver)änderungen vom Volk ausgehend nicht vorkommen dürfen, auch wenn es selbst gar nichts zu der Sache entschieden hat. Dies scheint das neue alte Verständnis von Politik zu sein.

Eine solche Äußerung seitens der Staatslenkerin kann nur eine Ursache haben. Sie hat Demokratie anders erlernt und demzufolge ein anderes Demokratieverständnis, was auch leicht zu belegen ist wenn man ihre Vita kennt. Nur haben sich die Zeiten gewandelt und die 99%-Ergebnisse sind hier im Westen weniger bekannt, als möglicherweise erträumt. Aber diejenigen die da jetzt auf der Straße stehen, wurden auch gar nicht nach ihrer Meinung zu dem Thema befragt. Stattdessen gab es für eine friedliche, genehmigte Demo auf einem nicht gesperrten Gelände, Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer für die Demokraten zu verkosten. Inzwischen ist amtlich, dass keine Pflastersteine flogen und kein einziger Polizist verletzt wurde (alles Falschmeldungen) … nur 400 Demonstranten wurden verletzt (siehe hierzu die Meldung der Eßlinger Zeitung). Dies spricht für eine ganz normale „Ver-Prügelaktion“, welche die Staatsgewalt offenbar ohne Gegenwehr und Schaden durch die Verprügelten überstanden hat. Auch Trommelfellverletzungen der Beamten aufgrund von Schmerzschreien der Getroffenen wurden nicht berichtet. Auch die Schuldfrage für den Gewaltexzess konnte von den Befehlshabern schnell geklärt werden, es waren die Demonstranten, weil die Staatsgewalt generell im „Recht“ ist. Sehr beachtlich! Hallo Frau Merkel … es handelte sich hier nicht um Ausreisewillige ihrer vormaligen Heimat!

Umso unverständlicher ist es, dass sich seitens der politischen Führung in Stuttgart niemand mit echter Schadensbegrenzung befasst. Eine Aussetzung des Projektes, verbunden mit einem Volksentscheid darüber, würde nur einen Bruchteil der schon abzusehenden Baukostenüberschreitungen ausmachen. Aber nein, das Milliardengrab ist ausgehoben und jetzt muss auch eine Leiche rein. Nach Stuttgarter Regierungs-Politikverständnis kann man ein teuer aufgerissenes Loch nicht einfach so nutzlos wieder zuschütten. Was bietet sich da mehr an als die Gegner des Projektes dort zu verscharren?

Ja dieser Tag ist ein Meilenstein für den ins Rollen gebrachten Zug. Wenn sich da nichts ändert, dann scheint die Richtung zementiert zu sein. Er wird irgendwann auch Berlin erreichen und dann können wir alle zusammen eine ganz feine BRDigung für unsere scheinbar schon hirntote Demokratie feiern, so richtig nach dem Willen und Verständnis einer ums Ansehen der Replik bemühten Kanzlerine. Also, dann lassen wir jetzt D-Zu-g-rollen.

Stuttgart 21, der Zug ins politische Nirvana
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Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Massen-Medien selbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören.

5 Kommentare

  1. Wozu braucht man überhaupt noch die Eisenbahn in der Stadt. In Frankfurt hat die Bahn auch entschieden, die ICEs lieber gar nicht mehr in den Kopfbahnhof einfahren zu lassen, sondern nur noch am Flughafen langzufahren (Zeitersparnis)!

    • Kritik schön und gut ….aber wo sind ausser
      Polemik die Alternativen.
      Braucht Stuttgart überhaupt einen Bahnhof? ,
      Vielleicht sollte man die Bürger auffordern
      aus grün-ökologischer Sicht nur noch
      zu Fuss und maximal 500 mtr zu gehen.
      Der Artikel hätte kürzer ausfallen können.
      Der Autor verlangt: “Baustopp und Aufhören”
      und weg mit dem ganzen System !!!
      Ein bisschen dünn als Argumentation finde ich.
      Frage:
      Wo waren eigentlich die Gegner des
      Bahnhofs “in den Ebenen der kommunalpolitischen
      Entscheidungen” , die sich jahrelang im Stadt-
      rat von Stuttgart und in den Aussschüssen
      hätten einbringen können.
      Das wäre Kärnerarbeit …
      Aber publikumswirksamer Protest
      mit einem Freund-Feind Schema ist offenbar
      kurzweiliger … der Staat wird hier als Feind…
      der Bürger als Märtyrer dargestellt.
      Die Medien freuen sich auf Konflikte und
      verletzte Omas ….das gibt Quote.
      Sachliche Arbeit ist keine Nachricht.
      Es lebe die Skandalisierei !!!
      Da kann man nur sarkastisch rufen:
      Viel Spass noch !!!

      Hans Stein

      • Es gäbe schon Alternativen, wenn sie denn erlaubt werden, z.B. Autobahnbusse. Leider sind diese wegen der Bahn nicht zugelassen und manche Busunternehmer klagen schon seit Jahrzehnten. Die Bahn ist ein Staat im Staate mit zahlreichen gesetzlichen Privilegien seit dem Dritten Reich. Tatsache ist auch, dass man gegen manche Gesetze nicht klagen kann (weil die persönliche Betroffenheit fehlt oder die rechtliche Durchsetzung Jahrzehnte in Anspruch nimmt), sondern nur durch Demonstrationen etwas erreicht (siehe DDR). Allerdings bin ich trotzdem zuversichtlich. Das Hauptproblem ist nämlich, dass die ältere Generation größtenteils zu den Eisenbahnfreunden zu zählen ist. Denn wer spielt heute mit Märklin und Co. und gibt hunderte Euros für eine Lok aus? Es wird Zeit, dass die Generation der verklärten Eisenbahnfreunde endlich ausstirbt und Platz für die Vernunft macht. Ich bin zwar nicht für die vollständige Abschaffung der Bahn, aber es ist nur ein Verkehrsträger wie jeder andere auch.

  2. Es ist doch vollkommener Unsinn anzunehmen man koenne rechtlich nichts machen gegen Stuttgart-21, nur weil der Paul Kirchhoff das im Fernseher gesagt hat. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg. Unter der ueberschrift “Gutachten gegen Gutachten” stand gestern in der Stuttgarter Zeitung ein sehr interessanter Artikel. Der Rechtsprofessor Georg Hermes sieht die Rechtslage demnach ganz anders als Herr Paul Kirchhoff. Zitat Georg Hermes: “Es sei klar, dass das Eisenbahnrecht beim Bund liege, das Land trage aber erhebliche Kosten, damit sei es mit zustaendig.” Professor Georg Hermes laesst auch nicht gelten, dass Vertraege ewig unkuendbar sein sollen. “Das verstoeßt gegen das Demokratieprinzip.” Neue Parlamente haetten dann keine Moeglichkeiten, aus langfristigen Vertraegen herauszukommen, argumentierte Hermes. Auch den Einwand, gegen den Haushalt sei keine Volksabstimmung moeglich, laesst Hermes nicht gelten. “Dann waere eine Abstimmung ueber jedes Gesetz, das Geld kostet, ausgeschlossen.

  3. Für Deine Möglichkeiten, lieber Wilfried, ein eher flauer Kommentar. Warum kommt das Wort “Größenwahn” nicht vor? Bei allem Quatsch könnte ein bisschen mehr Sinn für die Realität doch nicht schaden, gell.
    Nun müssen wir mit den Entscheidungsträgern jedoch ein bisschen Nachsicht üben – immerhin stehen die 3 Billionen in Aussicht, was jeden Schritt dorthin aller Ehren und Mühen wert macht.
    Gottseidank leben wir in einer Demokratie, mit Rettungsschirmen für fortschreitenden Schwachsinn aller Art.
    Wohl dem, der das alles erleben darf. Für so viel Freude – ich kann nur noch lachen – zahlt man doch gerne.
    Wolfgang

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