Terenas

Utopia: Sofern der Leser bereits das Vergnügen hat oder hatte, sich mit dem im Titel erwähnten Computerspiel auseinanderzusetzen und darüber hinaus im Umgang mit demselben auch noch begriffen hat wie man die ganze Angelegenheit zu seinen eigenen Gunsten steuern kann, dann ist dieser Leser inzwischen im realen Leben angekommen. Der Zusammenhang dürfte so alt wie bemerkenswert sein, bei dem sich am Ende allerdings eine Frage aufdrängt. Haben die Macher des Spiels hier eine Kopie der Wirklichkeit im Sinn gehabt oder spielen wir inzwischen die Wirklichkeit gemäß diesen uralten und offenbar unüberwindbaren Regeln?

Für Leute die dieses Spiel nicht kennen kurz skizziert. Als lokaler Führer beginnt man seine Population auszubauen, das Wachstum wird intelligent gesteuert durch den Erwerb von Fähigkeiten bei gleichzeitiger Nutzung von natürlichen Ressourcen, Holz und Erze (vorzugsweise Gold), die in harter Arbeit „des Volkes“ der Umgebung abgerungen werden. Überwiegend verschwinden die so erwirtschafteten Güter bedenklich schnell in der Rüstungsindustrie und werden dort zu Mordwerkzeug umgemünzt und zum Unterhalt von rasant wachsenden Armeen verschleudert. Die einen sagen muss sein, damit ich mich verteidigen kann, die anderen gehen einen Schritt weiter und sagen frank und frei, damit ich meinen Nachbarn in Schach halten kann. Aber das Ergebnis bis dahin bleibt gleich, ein Großteil der Leistung verschwindet eben in dieser Militarisierung und für die schuftenden Knechte ganz unten gibt es keine Aussicht auf Aufstieg, da bleibt nur die Knochenarbeit für einen mäßigen Selbsterhalt. Und so muss sich der Reigen offenbar wie in der Wirklichkeit fortsetzen. Diejenigen die durch List, Tücke und Gewalt die Ressourcen an sich reißen und sofort alle entdeckten Schätze für sich reklamieren sind die designierten Gewinner. Entscheidend ist, Rücksichtnahme wird bestraft, nur der Tod des Gegners bringt Punkte und den Akteur selbst nicht in Gefahr. Dabei ist es dem Spieler überlassen das Konzept zu entwickeln, ob er als Meuchelmörder den Gegner langsam siechen lässt oder mit allem was er hat in die Schlacht zieht.

Das bezeichnende an diesem Spiel ist allerdings, dass es erst zu Ende ist wenn der letzte Gegner besiegt ist. Ein Friedensschluss ist hier in keiner Weise vorgesehen. Erst mit der Vernichtung des letzten Gegners hat man mit seiner inzestlastigen Population den „Siech” errungen und die erreichte Punktzahl wird dem Spieler angezeigt.

Desto länger man dieses Spiel gespielt und ein wenig mitgedacht hat, desto augenfälliger ist der Bezug zu der uns einlullenden Realität. In noch viel weitreichenderen Facetten als sie das Spiel zu bieten hat können wir heute real life die Nationen erleben, die genau nach diesem Strickmuster ihre Geschicke leiten. Sich egal wie, der Rohstoffe bemächtigen, ein Übermaß der Wirtschaftsleistung in Rüstung stecken und unter schönen Vorwänden den Rest der Welt überfallen, vorzugsweise an den Stellen wo man Rohstoffe oder strategisch wichtige Punkte vermuten darf. Offiziell sind es allerdings immer undemokratische Tendenzen oder Terrorismus denen man an jenen Stellen gerade weltpolizeilich entgegentreten muss.

Und für die großen Player ist es auch gar kein Problem mittels ihrer Medienmacht jeden noch so dreckigen Krieg in eine Befreiungsaktion umzumünzen, damit der humanitäre Gesichtspunkt ihres Handelns die Weltsicht dominiert – Töten für Frieden, Freiheit und Demokratie ist die Losung, denn öffentliche Meinung kann man kaufen, wenn man weiß wie das geht. Und so stehen denn die Völker dieser Welt vor ihrem Schlächter und begrüßen in gerade als Retter. Und diejenigen, die den Wolf im Schafspelz erkannt haben, die werden zuerst geschlachtet damit sie den Rest der Völkerherden nicht noch unmittelbar vorm Schlachthaus beunruhigen. Denn derlei Unruhe an der Schlachtbank käme den Welteroberern teuer zu stehen. Faszinierend wie sich die Dinge wiederholen.

Warcraft 2 und das reale Leben
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