Präventivtötung, der neue Weg zum Frieden

Welt: Alle haben schon darüber gemunkelt, aber jetzt wissen wir genau wie Frieden, Freiheit und Demokratie gerettet werden. Sobald der Verdacht besteht, da könnte sich jemand an diesen Werten zuschaffen machen, lösen wir das Problem im Handumdrehen. Keine Fragen, keine Klagen, keine Verfahren … Tod, so sieht das Revival der Endlösung aus. Was früher als Kür für Diktatoren galt ist offensichtlich gerade hoffähig geworden und hat Einzug in die moderne, gelebte Demokratie gehalten. Man könnte auch sagen, es ist die konsequente Fortentwicklung der Todesstrafe unter wirtschaftlicher Aussparung aufwändiger Verfahren. Oder ist da was mit der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit nicht in Ordnung? Letzteres werden wohl die Verantwortlichen verneinen, wie auch die Potentaten dies zu jeder Zeit ihrer Herrschaft machten. Ist also alles in bester Ordnung und es handelt sich nur um einen ganz normalen Wertewandel dem wir uns gegenüber sehen?

STOP BUSH … Haltet den WahnsinnWas ist Präventivtötung? Es ist das selbstlose Töten von Menschen für einen höheren Zweck, ganz ohne eigenes Interesse oder niedere Motive der Mörder die hier ausschließlich auf Anweisung zu unserem Schutz handeln (vgl. Henker, Moderne Kriegsführung), um uns vor bösen Elementen und Mächten zu bewahren. Die Selbstlosigkeit der Handelnden ist es auch welche diesen Akt der Barmherzigkeit vom konventionellen Mord unterscheidet. Im Vorfeld ist bereits festlegt, dass der zu Tötende kein Opfer sondern ein Täter ist. Die Qualifikation für eine Präventivtötung können die Betroffenen durch ihr Handeln erlangen oder aber auch aus Versehen, wenn sich mal ein Entscheider irrt. Welche weiteren Gründe es dafür gibt in sogenannte Todeslisten aufgenommen zu werden ist zu unserem Schutz streng geheim. Genau genommen ist diese Art der Vor- und Fürsorge die vermenschlichte Variante einer sogenannten höheren und göttlichen Gerechtigkeit, die bis vor einigen Jahrzehnten nur dem einen Gott zugebilligt wurde. Im Rahmen des menschlichen Fortschritts und seiner geistigen Weiterentwicklung jetzt aber von ihm selbst gemanagt werden kann. Nicht jeder Staat kann sich solch göttliche Racheeinheiten leisten, deshalb bleibt dieses Instrument eine elitäre Einrichtung für hochentwickelte Demokratien und besonders reiche Nationen. Ein weiterer Vorzug ergibt sich aus der Kosten- und Zeitersparnis. Aufwändige Prozesse mit Anklägern, Richtern und Anwälten können unterbleiben. Auch öffnet es ein Türchen für Demokratien, die sich einstmals gegen die Todesstrafe entschieden haben, diese wenigstens für einige Härtefälle dennoch anwenden zu können. Die Begrenzung auf irgendwelche Krisen- und Kriegsgebiete ist nur temporär, bis der Umgang damit vollständig erlernt ist.

Es lohnt schon nicht mehr sich Gedanken darüber zu machen wer der Erfinder der Präventivtötung ist und welche Nationen sich ihrer im Namen der zuvor geschilderten Attribute bereits bedienen. Seit Juli 2010 darf man wohl offiziell von dieser Praxis als gelebtes Element einer Demokratie reden, fast so salonfähig wie ein bisschen Folter. Der Monat in dem über WikiLeaks gut 92.000 Einzelberichte aus dem Krieg in Afghanistan ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben und einen Einblick in das neue Demokratieverständnis vermitteln. Darunter auch die Berichte von den „neuen Todesschwadronen“ unserer Weltpolizei, die dort vor Ort für Recht erkennt wer leben darf und wer nicht.

Irrtümer sind nicht reklamationsfähig, die Beschwerdeinstanz wird gleich mit dem Delinquenten beerdigt … so sieht unser gutes Recht in fernen Landen aus. Zwar haben die USA zu allen Zeiten derartige Praktiken stets bitter reklamiert, aber offenbar haben sie sich vom Nutzen überzeugen lassen. Und alles das um uns zu schützen. Sollten wir jetzt dankbar sein? Die neue Form der Rechtsstaatlichkeit die wen schützen soll? Klar in Afghanistan sind es die fiesen Feinde der Befreier die immer heimtückisch und hinterhältig auf die dort einmarschierten Friedenstauben losgehen, da muss es ja schließlich erlaubt sein im Kampf zu gleichen Mitteln zu greifen. Die Frauen, Kinder und Unbeteiligten die dabei auch schon mal ihr Leben lassen, die sind zwar beklagenswerter Kollateralschaden, aber wen interessiert das in diesen unzivilisierten Gegenden. Sowas kann hier ja nicht passieren, denn wir sind ja schließlich eine zivilisierte Nation und die Amerikaner als älteste Demokratie erst recht.

Natürlich kann man insbesondere der Weltpolizei, den USA, ein solches Instrument nicht verwehren. Schließlich müssen sie über das Wohlergehen der Welt wachen und die schädlichen Elemente eliminieren, damit wir unseren Frieden haben. Sicher ist es auch besser wenn der Bürger nicht so viel darüber erfährt was da noch in seinem Namen so alles umgebracht wird. Es könnte ihn verunsichern und unruhige Nächte bereiten, wobei es schon reicht wenn die Jungs aus den Killerkommandos traumatisiert wieder nachhause kommen. Aber kann man denn Leute die so was befehlen und ausführen noch als zivilisiert bezeichnen?

Der eigentlich interessante Aspekt bei dieser delikaten Angelegenheit liegt natürlich an einer anderen Stelle, recht gut verborgen. Wenn diese Praxis hinreichend erprobt sein sollte und sie sich (in)offiziell bewährt, dann müsste man die ja auch zuhause bestens einsetzen können – so zum Schutz des Bürgers eben – denn wem sonst soll eine Demokratie mit all ihren erweiterten Wertvorstellungen dienen? Wenn man damit in aller Welt Demokratien und Frieden retten kann, dann sollte es doch an der Heimatfront ein leichtes sein, weil dort die Bedingungen ja noch viel geordneter sind. Insoweit müssen wir jetzt ernsthaft die Frage nach der Zukunft dieser mutierten Form der Rechtsstaatlichkeit stellen.

Die Israelis haben sich ja schon öffentlich dazu bekannt und präventivtöten weltweit nach Bedarf, sofern es die Lage erfordert, was sicherlich ein gut ausgebildeter Beamter beurteilen kann. Ok, dass kann man zukünftig auch privatisieren, Beamte sind da viel zu teuer. Ein gut weitergebildeter „Hart(ss) IV Empfänger“ oder Blockwart alter Prägung könnte hierzulande so was auch im Nebenerwerb entscheiden. Nun gut, wahrscheinlich werden wir hierzu ebenso wenig gefragt wie die Betroffenen aus den immer noch laufenden Erprobungsgebieten. Was in Afghanistan gut ist, wird sicherlich auch im Irak geholfen haben. Leider wissen wir nicht ob da auch im Kleinen schon mal im eigenen Ländle getestet wird. Über die Dunkelziffer sollte man besser nicht orakeln. Bei 82 Millionen potentiellen Terroristen allein in Deutschland fällt es ja kaum auf wenn da nächtens mal einer verschwindet. Machen wir uns also gefasst auf die Heimkehr der von uns exportierten Wertvorstellungen.

Welchen Einfluss hat nun der Bürger auf diese Form der Staatsgewalt, wenn die anfängt eher unkontrolliert rumzumorden? Offensichtlich keinen, denn würde man den Bürger hierzulande fragen, würde er sich vermutlich für das alte Prinzip der Rechtsstaatlichkeit aussprechen, so richtig mit Anklage, Prozess und Verurteilung. Da ist ja noch ein Problem. Wir hatten doch mal die Todesstrafe abgeschafft, völlig unabhängig davon ob jetzt mit oder ohne Prozess, aber offensichtlich wurde dabei der „Kurze Prozess“ übersehen, da wird das Schlupfloch sein und der Altmeister „Justice Lynch“ seine Auferstehung feiern. Also doch wieder die Todesstrafe, halt nur ohne Rückfrage und Aufhebens, abhängig von der Laune desjenigen der den Finger am Abzug hat.

Ja ist das kompliziert! Wenn wir also dergestalt die Demokratie fortentwickeln, dann müsste ich doch auch meine Nachbarschaftsprobleme so lösen können. Was irgend ein Hirnie am Abzug entscheiden kann, dass kann ich doch noch viel besser be-„urteilen“ und entscheiden, schließlich nervt mich diese Krücke von Nachbar schon seit Jahren und ich könnte direkt ein Psychogramm von diesem Typen erstellen und nachweisen, dass der gemeingefährlich ist. Ach brauch ich ja gar nicht, weil ich doch weiß dass es so ist, ist ja völlig ausreichend.

Aber irgendwie macht mich diese Entwicklung trotzdem nicht glücklich, weil ich ebenso weiß, dass der andere Nachbar von rechts was gegen mich hat. Wäre irgendwie dumm wenn der mich morgens kalt erwischt und eines Tages flachlegt. Sollten wir doch besser noch mal überlegen was da richtig und falsch ist? Jetzt wird mir gerade ziemlich unwohl bei dem Gedanken an den Nachbarn von rechts.

Präventivtötung, der neue Weg zum Frieden
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Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Massen-Medien selbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören.
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4 Kommentare zu Präventivtötung, der neue Weg zum Frieden

  1. Die Hinrichtung von Wolfgang Grams in Bad Kleinen, vor Zeugen und mitten auf den Gleisen, beweist zumindest, dass so etwas hier nicht prinzipiell undenkbar ist. Damals wurden von den beamteten Tätern alle Spuren verwischt. Von Birgit Hogefeld hat man seitdem nichts mehr gehört. Sie wird allerstrengstens unter Verschluss gehalten, weil sie dabei war und die Wahrheit kennt. Es gibt eben überall Leute, mit denen man sich besser nicht anlegt.

  2. Wieso überrascht das eigentlich noch irgendwen? Gezielte Tötungen sind seit Ewigkeiten ein notwendiges Mittel der Aufstandsbekämpfung. Ob man das jetzt mit einem Kurzschwert tut, oder einem M16 ist Makulatur.
    Es gehört einfach dazu, es ist nötig. Das ist Fakt, und das lässt sich nicht wirklich diskutieren.

    Was sich diskutieren lässt, ist allein, warum dieser Zustand an sich überhaupt nötig wurde, bzw. wie man etwas daran ändert. Man muss sich ja auch nicht über jeden Kleinkram aufregen. Sonst kommt demnächst eine Enthüllungsreportage, dass die NATO-Truppen in Kabul immer auf den Boden spucken… Man sollte mal eher das Gesatmbild sehen, statt sich in solchen Details zu verlieren.


    • Clear Mind:

      Wieso überrascht das eigentlich noch irgendwen? Gezielte Tötungen sind seit Ewigkeiten ein notwendiges Mittel der Aufstandsbekämpfung. Ob man das jetzt mit einem Kurzschwert tut, oder einem M16 ist Makulatur.Es gehört einfach dazu, es ist nötig. Das ist Fakt, und das lässt sich nicht wirklich diskutieren.
      Was sich diskutieren lässt, ist allein, warum dieser Zustand an sich überhaupt nötig wurde, bzw. wie man etwas daran ändert. Man muss sich ja auch nicht über jeden Kleinkram aufregen. Sonst kommt demnächst eine Enthüllungsreportage, dass die NATO-Truppen in Kabul immer auf den Boden spucken… Man sollte mal eher das Gesatmbild sehen, statt sich in solchen Details zu verlieren.

      Wie bescheurt sind Sie denn eigentlich?
      Wie armseelig!!!!!! Mir fehlen die Worte:(:(

  3. Sie haben ja recht mit Ihrem Kommentar, aber erst einmal muss sich die Einsicht auf allen Seiten durchsetzen, dass Töten keine Lösung von Konflikten ist, sondern in einer Gewaltspirale endet und nur Opfer auf beiden Seiten verursacht.
    Die Klügere Seite muss nachgeben und stillhalten, damit es nicht zur Eskalation kommt.

    Ich hoffe, dass wir nie in der Situation kommen werden, die uns zum Töten verleitet.

    Zivilisation kann ziemlich schnell zusammenbrechen.

    Gnade uns Gott!

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