Sozialverträgliches Frühableben olympisch?

Schland: Immer erkennbarer wird, dass der Staat (hier muss man aber mehr auf die Regierung rekurrieren) die Probleme mit dem Olymp des „Überlebensberg“ nicht in den Griff bekommt. Das Dilemma ist bekannt, die Arbeitsplätze scheiden rasant dahin und die Rentner vermehren sich wie die Karnickel. So etwas muss natürlich über kurz oder lang zum gesellschaftlichen Kollaps führen. Um dem vorzubeugen, hat die aktuelle Koalition nun eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die das sozialverträgliche Frühableben zur Abmilderung des besagten Problems hoffähig machen soll.

Das Kernproblem ist, dass sich die Rentner heute mehr Zeit als früher nehmen, um in die ewigen und weniger kostenintensiven Jagdgründe einzugehen. Immer länger beanspruchen sie Leistungen, die eigentlich für die Enkel reserviert sind (die Herkunft dieser Mittel ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung). Darüber hinaus geraten auch die Instandhaltungskosten für diese ausgediente Form des Humankapitals außer Kontrolle, also ein weiterer Grund diese Gruppe rechtzeitig aus unserer schaffenden Mitte zu verabschieden. Bei dieser Aussage wären noch die Langzeitarbeitslosen zu inkludieren, die ohne Altersbeschränkung für eine derartige Betrachtung co-qualifiziert sind.

Zur Erreichung der hochgesteckten Ziele ist man übereingekommen, das „Sozialverträgliche Frühableben“ zu einer olympischen Disziplin zu küren und die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Kern der Überlegung ist eine Ekeltante eklatante Erhöhung des Ansehens, des bislang nur kurz als würdeloses „Sterben“ bekannten Vorgangs. Durch die massive Aufwertung zu einer olympischen Disziplin soll nun die Akzeptanz und die offenherzigere Ausübung, insbesondere durch unsere älteren Mitbürger, gestärkt und gefördert werden. Als ergänzende Anreize erwägt die Regierung Prämien für die erfolgreiche Teilnahme. Ebenso sollen alle Restriktionen für die Teilnahme daran entfallen. Es wird demzufolge keine Qualifizierungswettbewerbe geben. Einziges Kriterium wird demnach sein, dass der/die jeweiligen Teilnehmer keine realen oder potentiellen Einzahler zur Rentenkasse mehr sein dürfen, also für die übergeordnete globale Sportart der „Volksausbeute“ nicht mehr infrage kommen.

Den erfolgreichen Teilnehmern des sozialverträglichen Frühablebens winken neben der Übernahme der Bestattungskosten Reisekosten, der vorzeitigen Befreiung von allen Staatsbürgerpflichten auch noch satte (nicht übertragbare) Prämien, allerdings erst nach Vorlage der amtlichen Teilnahmebescheinigung (umgangssprachlich auch Sterbeurkunde). Darüber hinaus hat sich die christlich/andersartig orientierte Regierung mit der Kirche bereits verständigt, dass die Besten unter ihnen ein vorzeitiges „Ewiges Leben“ antreten dürfen und selbstverständlich die ewige Verdammnis für diesen Personenkreis in Gänze aufgehoben wird. Ebenso hat die Kirche in einem großangelegten Akt der Barmherzigkeit entschieden, dass dies auch für alle konfessionslosen Teilnehmer gelten darf. Die weitere Ausgestaltung und Umsetzung dieser Disziplin soll in den nächsten Jahren massiv vorangetrieben werden.

Eine weitere „Alte Naive“ wurde seitens der amtierenden Regierung mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Programms hervorgehoben. Demnach könne man die ausufernde Rentnerschwemme auf dem Weg zu den geplanten Veranstaltungen – bei einer sinnvollen aber drastischen Kanalisierung – im Rahmen eines demographischen Gezeitenkraftwerks ein weiteres Mal effektvoll nutzen. Dies wäre ganz im Einklang mit dem vermehrten Einsatz regenerativer Energien zu sehen und dürfte den Beliebtheitsgrad der bisherigen Überlegungen zum Thema weiter stärken.

Eher unter dem Siegel der Verschwiegenheit sickerte durch, dass sich die Regierung als nicht zu vernachlässigenden Nebeneffekt eine Lösung der Probleme im Bereich der Renten- und Sozialkassen verspricht. Große Unternehmensberatungen wie Kleinschwörs oder McErnichRum haben sogar vorhergesagt, dass bei konsequenter Ausgestaltung und Umsetzung dieser Idee, die Rentenkassen gänzlich zugunsten einer ultimativen Bankenrettung aufgelöst werden könnten, sofern man eine Teilnahmeverpflichtung ab 65-67 erwägen wollte. Würden sich die Volksverträta ein wenig mehr anstrengen und diese Regelungen im Takt einer PIGS-Rettung durchpeitschen, läge sogar noch eine Verdoppelung ihrer Diäten drin. Weitere Einnahmequellen aus der Vermarktung dieser noch wenig bekannten Disziplin deuten sich an, nachdem RTL bereits die Alleinvermarktungsrechte dafür angefragt hat, als Nachfolgereihe für den langsam verrostenden Container.

Sozialverträgliches Frühableben olympisch?
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Die verkommene Wahrheit unserer Zeit ist so relativ und dehnbar wie das Geschrei der Massen-Medien selbst. Erst der schräge Blick durch die Blindenbrille, in stockfinsterer Vollmondnacht, eröffnet darüber hinaus völlig ungeahnte Perspektiven. Überzeichnung ist dabei nicht zwangsläufig eine Technik der Vertuschung, vielmehr ist es die Provokation gezielter Schmerzen, die stets dazu geeignet sind die trügerische Ruhe zugunsten eigener oder andersartiger Gedanken zu stören.

Kommentare

Sozialverträgliches Frühableben olympisch? — 3 Kommentare

  1. Schön, schön. Beim Lesen deiner hiesigen Erstlingsartikel hatte ich offen gesprochen befürchtet, dass dies nur ein weiterer von zig Blogs ist, der über Alltäglichkeiten berichtet. Umso erfreulicher, dass der Trend jetzt entschieden und sehr gelungen in Richtung Satire geht und sich deine Arbeit zunehmend von den Schreibereien irgendwelcher XY-Autoren unterscheidet. Macht Spaß, hier mitzulesen :-)

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